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Lieferdienste machen seit Beginn der Corona-Pandemie gute Geschäfte. Dabei hat Lieferando fast eine Monopolstellung. Aber es gibt kleine Alternativen, wie zum Beispiel Khora.

Wenn in Deutschland jemand Essen bestellt, wird es in den meisten Fällen mit Lieferando geliefert. Das muss aber nicht sein. In Berlin hat sich ein Kollektiv von inzwischen 28 Fahrradkurierinnen und Kurieren gebildet, die jenseits des großen Platzhirsches liefern. Sie nennen sich: Khora. Das Ziel von Khora ist es, faire Arbeitsbedingungen zu bieten.

Arbeitsbedingungen bei den Lieferdiensten

In den vergangenen Jahren hat sich in der Branche viel getan. Vor allem hat sich Lieferando als Fast-Alleinanbieter etabliert.

Lieferando zahlt zum Beispiel 10 Euro Basis-Stundenlohn. Es gibt zudem 10 Cent Verschleiß pro gefahren Kilometer mit dem eigenen Rad, bis zu 44 Euro insgesamt als Amazon-Gutschein. Dazu gibt es dann noch Boni für besonders viele Fahrten und Trinkgeld, wenn es gut läuft. Die meisten Fahrerinnen und Fahrer sind fest angestellt.

Wer gut verdienen will, braucht also viele Fahrten. "Aber ob du viele Fahrten hast, liegt ja nicht an dir", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sebastian Sonntag. Die Fahrten werden via App verteilt. Warum manche Fahrerinnen mehr Touren bekommen als andere, wird so nie ganz klar.

Keine Transparenz bei der Auftragsvergabe

Die Fahrerinnen und Fahrer von Deliveroo haben zum Beispiel befürchtet, dass die App entscheidet, ob sie einen Auftrag bekommen oder nicht. Diese Lieferdienst-Apps sammeln tatsächlich viele Daten; unter anderem bekommen sie mit, wo sich die Kurierinnen und Kuriere aufhalten, welche Strecken sie zurücklegen und wie lange sie brauchen. "Und vielleicht sind solche Daten auch Grundlage für die Auftragsvergabe", sagt Sebastian Sonntag.

"Khora hat eine App, die keine Blackbox ist, wo man nachvollziehen kann, wer gerade warum welchen Auftrag bekommt."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk Nova

Genau das will Khora anders machen. Denn hier sollen alle miteinander arbeiten und auch miteinander Geld verdienen. Das Geld, das sie mit ihren Fahrten verdienen, geht an eine Genossenschaft. Und die Genossenschaft verteilt es dann auf die Fahrradkuriere. Über diese Genossenschaft werden sie auch krankenversichert, können eine Arbeitslosenversicherung bekommen und eine Berufsunfallversicherung.

Denn Unfälle lassen sich in dem Job nicht vermeiden. "Bei anderen Diensten bist du dann aber raus und verdienst kein Geld, wenn du nicht fahren kannst, weil du verletzt bist, oder weil dein Fahrrad kaputt ist", sagt Sebastian Sonntag.

Ein Problem, das Restaurants mit Lieferando haben, ist die große Abhängigkeit. Zum Beispiel kann der Dienst das Liefergebiet eines Restaurants verkleinern, sodass es mit einem Schlag deutlich weniger Kundinnen und Kunden hat. Oder es werden im großen Stil Schattenwebsites von Lieferando erstellt, damit die Lieferando-Seiten besser auffindbar sind als die Restaurant-Webseiten und die Leute eher beim Lieferdienst bestellen als beim Restaurant selbst. Das steigert natürlich die Provision.

"Die Fahrerinnen und Fahrer von Khora sitzen nicht nur auf dem Fahrrad. Sie sind auch verantwortlich für Verwaltungsaufgaben, Orga oder eben auch Marketing."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk Nova

Bei Khora übernehmen die Fahrerinnen und Fahrer auch Verantwortung für die Firmenpolitik. Sie kümmern sich mit um Verwaltungsaufgaben, Orga und auch Marketing. Sie können also selbst mitbestimmen, wie sie von Restaurants und auch von denen, die Essen bestellen, wahrgenommen werden möchten.

Noch ist Khora relativ klein: In einigen Stadtteilen von Berlin werden knapp 50 Restaurants angefahren. Dass solche Fahrrad-Kollektive aber gut funktionieren können, zeigen Beispiele aus Spanien und den USA.