Lisa Hilleke ist ihrer Berufung gefolgt und nach Nordirak gereist. Dort hilft sie Menschen, die vor dem IS geflohen sind. Dabei lernt sie Menschen kennen, die zum Teil zwei Jahre lang auf das Nötigste verzichten mussten.

Was Lisa Hilleke in der Region um die nordirakische Stadt Erbil erlebt, ist für sie meist kaum vorstellbar. Am Ostersonntag im Jahr 2016 war sie in der Stadt Machmur und erlebte die Ankunft von rund 2.000 Menschen, die in einer von IS-Kämpfern belagerten Region gelebt hatten.

"Man kann sich gar nicht so richtig vorstellen, was es bedeutet, unter dem IS gelebt zu haben."

Da es zunächst keinen anderen Ort gab, um diese Menschen unterzubringen, wurden sie anfänglich in einem Jugend- und Sportzentrum beherbergt. Die Flüchtenden hatten teilweise zwei Jahren lang kein fließendes Wasser, keine Möglichkeit also, um sich zu waschen oder eine Toilette zu nutzen.

"Das, was hier passieren kann, ist das, was auch überall auf der Welt passieren kann. Dass irgendwelche kleinen Gruppierungen auf die Idee kommen, irgendetwas in die Luft zu jagen."

Als Lisa 2012 das erste Mal in den Nordirak gereist ist, hatten sich ihre Familie und Freunde noch Sorgen gemacht. Denn Erbil, die Hauptstadt des Autonomen Gebiets Kurdistan, liegt nicht weit entfernt von Regionen, die von der Terrorgruppe IS belagert werden oder umkämpft sind. Bei ihrem erneuten Aufenthalt in diesem Gebiet wussten Lisas Verwandte allerdings schon genauer, was sie dort erwartet. Ihre Angst um sie war etwas geringer.

"Es kommt häufiger zu Festnahmen - auch in den Städten in den kurdischen Gebieten - das hab ich mehrfach in den Nachrichten mitbekommen."

An einem normalen Arbeitstag sitzt Lisa eher am Schreibtisch und spricht sich mit Kollegen in Meetings ab. Für die unterschiedlichen Projekte müssen die Mitarbeiter von "Help - Hilfe zur Selbsthilfe" viel organisieren: Einmal im Monat verteilt Lisa mit ihren Kollegen Essenspakete an jesidische Flüchtlinge, die sich damit dann selbst versorgen können.

Um die Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen, bereitet sie auch selbst Essen zu. Für ein anderes Projekt organisiert sie finanzielle Mittel für christliche Vertriebene, die davon dann ihre Miete und Medikamente bezahlen können.

"Jeder Mensch, den man hier trifft, kann einem eine Geschichte erzählen, die man sich kaum vorstellen kann, wenn man wie ich so behütet in Deutschland aufgewachsen ist."

In einem weiteren Projekt beschafft sie Mittel, um Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen. Das Gute sei, dass die Flüchtlinge in Nordirak sofort eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung bekommen und dadurch dann schneller in der Lage sind, sich selbst zu finanzieren und zu versorgen.

Viele von ihnen kommen in einheimischen Familien unter oder mieten selbst eine Wohnung an. In der Stadt Erbil gibt es unabhängig von den Flüchtlingen strukturelle Probleme mit der Strom- und Wasserversorgung. Aufgrund der Versorgungslage entstehen Debatten darüber, ob die Zahl der Flüchtenden, die aufgenommen werden, begrenzt werden sollte. Lisa findet, dass das keine Lösung sei, und dass die Stadt unabhängig davon, an diesen Problemen arbeiten müsse.