"Staatenlos" heißt der dritte ins Deutsche übersetzte Roman von Shumona Sinha. Er handelt von drei Frauen, die im indischen Westbengalen verwurzelt sind. Mehr verbindet sie nicht, denn sie leben ganz unterschiedliche Leben. 

Esha lebt als Lehrerin in Paris, Maria pendelt zwischen den Kontinenten und Mina lebt in einfachen Verhältnissen in einem Dorf. Sie kann weder lesen noch schreiben, ihre Familie lebt von der Landwirtschaft, ihr Herz verlor sie an ihren Cousin Sam, schon als Kind. Heute treffen sich die Beiden heimlich in den Feldern. 

Die indische Autorin Shumona Sinha hat diesen drei Frauen ein Buch gewidmet: "Staatenlos".

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Maria ist in Paris aufgewachsen, bei einem französischem Paar, das sie adoptiert hat, als sie noch ganz klein gewesen ist. Nur vage kann sie sich an die Zeit bei den Nonnen erinnern, die sie nach Frankreich vermittelt haben. Die Gründe für ihren Aufenthalt in der Mission kennt Maria nicht, auch nicht ihre leiblichen Eltern. 

Eine indische Geschichte, einen französischen Pass

Die, die etwas wissen können, schweigen. Also fliegt Maria jetzt, als Erwachsene, jedes Jahr nach Inden, in der Hoffnung, ihre wahre Familie zu finden. Im Internet berichtet sie von ihren Reisen. Über eine gemeinsame Bekannte hat Esha sie online entdeckt und Kontakt zu ihr aufgenommen. Von Frankreich aus verfolgt Esha Marias Suche in Indien. Auf den Fotos sieht sie ihr ähnlich. Vielleicht fühlt sich Esha deswegen zu ihr hingezogen. Vielleicht auch, weil Maria beides hat: eine indische Geschichte und einen französischen Pass. Den Pass hat Esha nicht. 

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Der Wunsch, in der neuen Heimat anzukommen

In Frankreich wird Eshas Antrag auf Einbürgerung gerade bearbeitet. Gefühlt tausende von Dokumenten muss sie einreichen, bei jedem Termin tausende Fragen beantworten. Der zuständige Beamte will sie sogar außerhalb der Bürozeiten treffen, abends, in einem Restaurant. 

Esha findet das seltsam - aber sie spielt mit. Sie präsentiert dem Mann eine selbstbewusste, kluge, Frankreich-liebende Frau. Von den rassistischen Beleidigungen in ihrer Schule durch Schülerinnen erzählt sie nichts. Ebenso wenig von den ungeschriebenen Gesetzen in der Stadt, wer sich wann und wie bewegen darf, wo es gefährlich wird für Frauen wie sie.

Die Autorin des Romans, Shumona Sinha, ist eine in Paris lebende Inderin. Mit ihrem im Jahr 2011 erschienen Romandebüt "Erschlagt die Armen!" hat sie weltweit für Aufsehen gesorgt. Sie wurde gefeiert und stark kritisiert, auch von ihrem damaligen Auftraggeber, der französischen Migrationsbehörde. 

Das Buch

"Staatenlos" (Originaltitel: "Apatride") von Shumona Sinha, aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt von Lena Müller, erschienen bei Edition Nautilus, 159 Seiten, gebundene Ausgabe (Hc): 19,90 EUR, eBook: 15,99 EUR, VÖ: Sept. 2017

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