Bei Usern sind Live-Streaming-Apps sehr beliebt. Sportveranstalter und TV-Sender dagegen finden es gar nicht gut, dass ihre zum Teil kostenpflichtigen Inhalte unkontrolliert ins Netz geblasen werden.

Periscope ist die Live-Streaming-App, die zu Twitter gehört und in den paar Wochen seit ihrem Launch schon über eine Million Nutzer gewinnen konnte. Damit hat Twitter gewissermaßen postwendend auf den immensen Erfolg der App Meerkat reagiert, mit der User ebenfalls per Smartphone Videos streamen und dann per Twitter live sharen können. Periscope hat sogar noch den Vorteil, dass sich Videos auch aufzeichnen lassen, so dass Freunde und Follower sie also auch zeitlich versetzt sehen können, erklärt unser Netzautor Michael Gessat.

Plötzlich kann jeder live dabei sein

Auch in einem anderen Punkt hatte Periscope im Vergleich zu Meerkat vor kurzem die Nase weiter vorne: Rund um den "Jahrhundert-Boxkampf" zwischen Floyd Maywheather und Manny Pacquiao Anfang Mai etwa lagen die Periscope-Tweets zu diesem Event deutlich vor den Meerkat-Tweets - es haben also mehr Leute den Fight über Periscope geshared oder geschaut als über Meerkat.

Gestreamt wurde teilweise aus dem Zuschauerraum in der Box-Arena, vor allem aber auch aus dem Wohnzimmer - abgefilmt vom TV-Bildschirm. Veranstalter und TV-Sender waren von dieser Praxis alles andere als begeistert. Schließlich kostete allein ein PayTV-Ticket für das Event um die 100 Dollar, sagt Michael Gessat - den Rechteinhabern gingen durch Periscope und Meerkat also ziemlich viel Kohle durch die Lappen.

Rechte-Inhaber versus Streaming-Apps

Manche Beobachter prophezeien bereits einen Krieg der Filmindustrie gegen Periscope, die US-Hockey-Liga (NHL) hat Reportern verboten, Periscope während der Aufwärmtrainings zu benutzen und eine Journalistin soll ihre Akkreditierung beim Golfturnier-Ausrichter PGA verloren haben, weil sie kurze Sequenzen live vom Platz gestreamt bzw. getwittert hatte. Die Aufregung erinnert an die Anfänge von Youtube, meint unser Netzautor Michael Gessat - auch da habe es erbitterte Kämpfe mit den Rechte-Inhabern gegeben, bevor einigermaßen Ruhe eingekehrt ist. Während des Boxkampfes Mayweather gegen Pacquiao gab es sogar Take-Down-Aufforderungen an Twitter bzw. Periscope - von denen einigen laut Michael Gessat auch nachgegeben wurde.