Ein alter Mietvertrag - in vielen Großstädten ist der heute viel wert. So viel, dass viele von uns lieber in der alten Wohnung bleiben, als umzuziehen. Was es für alle anderen dann schwerer macht, eine neue Wohnung zu finden.

Eine offizielle Statistik über Umzüge in Großstädten gibt es nicht, dafür aber Studien von Branchenverbänden. Und die legen nahe: Die Bereitschaft zum Kistenpacken sinkt vor allem in den Städten, in denen die Mieten besonders stark angestiegen sind, erklärt Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Also vor allem in Berlin, München und Hamburg, aber auch in vielen Universitätsstädten.

In diesen Städten kommt dann der Lock-in-Effekt ins Spiel. Mieter wollen eigentlich umziehen und legen sich Geld für eine höhere Miete zurecht, merken aber, dass sie sich nur verschlechtern können. Die Folge: Immer weniger Menschen können sich die Wohnung leisten, die sie eigentlich brauchen. Zum Beispiel, wenn sie mit dem Partner zusammenziehen oder eine Familie gründen. Ökonomen sprechen dann von einer ineffizienten Verteilung.

Niemand kann mehr da wohnen, wo er möchte

Dazu kommt: Wenn ältere Menschen ihren Wohnraum verkleinern wollen, weil die Kinder aus dem Haus sind, bleiben sie lieber in der alten Wohnung, weil die kleinere Variante viel zu teuer ist - und machen so keinen Platz für nachrückende Familien. Kurz: Niemand kann mehr da wohnen, wo er gerne möchte.

"Letztlich führt kein Weg daran vorbei, Wohnungen zu bauen."
Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin

Zeitweise wurde versucht, Altmieter mit Prämien dazu zu bewegen, umzuziehen. Langfristig wird sich an der Lage aber nur etwas ändern, wenn neue Wohnungen gebaut werden, sagt Claus Michelsen. Gerade in den wachsenden Metropolen, in denen der Zuzug sehr groß ist. Das Problem: In den Stadtzentren gibt es nur wenige Flächen, die noch bebaut werden können. Eine Alternative: Den Wohnungsbau fördern und so dafür zu sorgen, dass mehr Investoren in den Markt drängen.