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Keiner weiß es genau, aber viele vermuten es: Während der Coronakrise wird möglicherweise mehr schwarz gearbeitet als sonst. So verständlich es im Einzelfall auch sei - für die Allgemeinheit seit das ein Problem, findet Wirtschaftswissenschaftler Christian Traxler.

Friseure dürfen im Moment nicht arbeiten – zumindest nicht legal in den Salons. Einige verdienen sich aber nebenher trotzdem etwas dazu und arbeiten schwarz. Abgesehen davon, dass es natürlich gegen die Abstandsregeln verstößt, wenn Friseurinnen und Friseure anderen Menschen so nahekommen: Ist Schwarzarbeit eigentlich wirklich so schlimm? "Das Geld, das mit Schwarzarbeit erwirtschaftet wird, fließt ja eins zu eins wieder in die Wirtschaft zurück", sagt zum Beispiel der österreichische Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider von der Uni Linz.

Schwarzarbeit = Steuerhinterziehung

Christian Traxler, Wirtschaftswissenschaftler von der Hertie School in Berlin, sieht das völlig anders. Schwarzarbeit sei keine wirkliche Lösung. Es sei zwar durchaus verständlich, dass etwa ein Friseur gerade darüber nachdenke, schwarz zu arbeiten, um seine Kasse aufzubessern. Unserem Sozialsystem, in dem Arbeit besteuert und Sozialabgaben geleistet werden, tue das aber nicht gut. Schwarzarbeit sei Steuerhinterziehung. Mit diesem Begriff klinge sie auch gleich nicht mehr so harmlos.

"Für Individuen ist Schwarzarbeit eine wirtschaftliche Hilfe. Es ist aber nicht das, was wir als System wollen, in dem wir eigentlich aus sozialen Kassen Unterstützung leisten wollen."
Christian Traxler, Wirtschaftswissenschaftler

Es sei ein Gebot der Fairness, dass sich alle Friseurinnen und Friseure an das Arbeitsverbot halten, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Stattdessen müsse es eine adäquate Förderung für die Ausfälle geben, die die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wegen der Coronakrise haben, in der sie nicht legal arbeiten können.

Dass diese Hilfszahlungen in vielen Fällen offenbar nicht ausreichen – ob jetzt in der Friseurbranche, der Kulturbranche oder der Gastronomie – stehe auf einem anderen Zettel.

Schwarzarbeit kaum messbar

Um Schwarzarbeit zu "messen", versuche man zu quantifizieren, was in offiziellen Statistiken nicht abgebildet wird. Das sei äußerst schwierig, sagt Christian Traxler. Manche Länder hätten aktiv Maßnahmen ergriffen, um akkurat zu messen – Deutschland hingegen nicht. Hier gebe es nur sehr krude Schätzungen, die das Problem seiner Meinung nach ziemlich überschätzen.

"Schwarzarbeit wird in Deutschland größer gehandelt und aufgebläht, als sie eigentlich ist. Der Begriff ist außerdem schlecht und unakkurat."
Christian Traxler, Wirtschaftswissenschaftler

Der Begriff "Schwarzarbeit" sei nicht nur schlecht, sondern auch sehr unakkurat. So sei zum Beispiel die Abgrenzung zur Schattenwirtschaft in den Schätzungen sehr unklar.