Sich jeden Tag Gewalt und Hass anzuschauen, geht nicht spurlos an einem vorüber. Eine neue Recherche über ein Facebook-Löschzentrum zeigt das - mal wieder.

Es gibt inzwischen diverse Berichte, Reportagen und TV-Dokumentationen über die Löschzentren von Facebook. Alle zeigen ein ähnliches Bild: Die Arbeit dort ist belastend und macht teilweise krank - was so verwunderlich nicht ist, schließlich müssen sich die Moderatoren jeden Tag Inhalte zu Verschwörungstheorien, Gewalt, Hass, Terror und (Kinder-)pornografie anschauen.

Die Reihe der Berichte wird nun ergänzt durch eine besonders ausführliche Recherche des "The Verge"-Reporters Casey Newton, der mit Mitarbeitern und ehemaligen Mitarbeitern eines Löschzentrums in Phoenix, USA, Interviews geführt hat.

"Bei den Mitarbeitern führt die ständige Konfrontation mit Verschwörungstheorien offenbar dazu, dass sie selbst zu Verschwörungstheoretikern werden."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Casey Newton hat zum Beispiel mit einer Mitarbeiterin gesprochen, die Panikattacken bekommen hat, nachdem sie in einem Facebook-Video ansehen musste, wie jemand umgebracht wurde.

Eigentlich darf sie davon nicht einmal jemandem erzählen. Denn alle Mitarbeiter des Löschzentrums müssen eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen - zum eigenen Schutz, denn Facebook-User könnten die Moderatoren bedrohen, wenn sie von einer Löschung betroffen sind.

Halten sich die Moderatoren an das Redeverbot, sind sie mit ihrer emotionalen Belastung isoliert. Manche von ihnen entwickeln mit der Zeit sogar Symptome, die einer posttraumatischen Belastungsstörung ähneln, schreibt Casey Newton in seinem Bericht. Auch gehöre die Einnahme von Drogen in den Pausen zum Alltag.

Job mit hoher Belastung und geringer Bezahlung

Eine andere Belastung können Verschwörungstheorien sein, die auf Facebook stark verbreitet sind. Bei manchen Mitarbeitern führt die ständige Konfrontation mit ihnen dazu, dass sie selbst zu Verschwörungstheoretikern werden.

Trotz der belastenden Arbeit ist das Gehalt nicht sonderlich hoch: Ein Content-Moderator erhält ein Jahresgehalt von 28.000 US-Dollar - 20 Prozent über dem US-Mindestlohn.

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