An einem Fünftel der Messstellen in Deutschland überschreiten die Nitratwerte im Grundwassers den Grenzwert. Hauptursache: Gülle auf Äckern und Wiesen. Deutschlandfunk-Nova-Umweltexperte Georg Ehring hat Lösungsvorschläge.

An einem Fünftel der Messstellen liegen die Nitratwerte im Grundwasser höher als der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter, erklärt Georg Ehring. Diese Messstellen liegen vor allem in Regionen mit großer Viehhaltung. Ein Viertel der Messstellen zeigen an, dass zwar der Grenzwert eingehalten wird, das Grundwasser sich aber in einem schlechten Zustand befindet. Hauptursache für die hohen Nitratwerte ist das Düngen mit Gülle.

"Ein Viertel des Grundwassers in Deutschland ist zu nitrathaltig. Gülledüngung ist eine wichtige Ursache."
Georg Ehring, Deutschlandfunk Nova

Dabei ist die Gülledünnung an sich eine sinnvolle Sache, denn Stickstoff ist ein Pflanzennährstoff. Der Stickstoff wird durch chemische Prozesse in Nitrat umgewandelt und von den Pflanzen aufgenommen. Gelangt aber zu viel auf die Felder, können die Pflanzen das Nitrat nicht mehr aufnehmen und es versickert im Boden. Je nach Bodenbeschaffenheit landet es früher oder später im Grundwasser.

Greenpeace fordert kürzere Düngezeiten. Dafür müssen die Landwirte größere Lager einrichten, in denen sie die Gülle lagern können. 

Weniger Nährstoffgehalt im Futter entlastet Grundwasser

Um Nitrat in den Exkrementen der Tiere zu reduzieren, könnten sie mit weniger Nährstoffen gefüttert werden. Das klingt im Zusammenhang mit Masttieren paradox, funktioniert aber, erklärt Georg Ehring.

"Ein bisschen Tricksen kann man beim Nährstoffgehalt im Futter schon. Und das ist wohl auch ziemlich sinnvoll."
Georg Ehring, Deutschlandfunk Nova

Die Bayerische Landesanstalt für Tierernährung hat das in Versuchen getestet und die Eiweisversorgung von Schweinen nach deren Bedarf ausgerichtet, der in den unterschiedlichen Wachstumsphasen verschieden hoch ist. 

Wenn das bei der Fütterung berücksichtigt wird, schadet das weder dem Wachstum noch der Fleischqualität. Die Stickstoffwerte in der Gülle sind dadurch aber reduziert. "Das wäre dann auch eine Win-win-Situation - weil es durch weniger Nährstoffe auch billiger wird für die Bauern," so Georg Ehring.

Güllebörsen entlasten Viehregionen

Würde die Tierhaltung wieder an die landwirtschaftliche Flächen gekoppelt werden, müssten viele Landwirte ihre Tierhaltung einschränken. Viele Massentierhaltungsbetriebe haben im Verhältnis nur wenig oder keine Fläche, um selbst die Gülle auf den Feldern auszubringen. "Die Bauern müssen schon sehen, wohin mit der Gülle", sagt Georg Ehring. Dabei helfen auch Güllebörsen. Über diese können Landwirte, die keine eigene Viehhaltung haben, Gülle von denjenigen kaufen, die viel davon haben.

Gülletransport findet in Deutschland bereits in großem Stil statt: 130.000 Lkw-Ladungen gehen pro Jahr durchs Land. Dazu Importe aus Niederlande, Belgien und Dänemark. 

"Man muss sich schon streiten. Lösungen, unter denen keiner leidet, klappen nicht."
Georg Ehring, Deutschlandfunk Nova

Eine Lösung für das Gülleproblem ist ohne Kompromisse nicht realistisch, so Georg Ehring. Obwohl die Nitratbelastung in manchen Regionen rückläufig ist, lassen sich die Grenzwerte in bestimmten Regionen wie in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nicht so schnell erreichen, wie es die EU-Nitratrichtlinie vorsieht. Denn es können Jahre vergehen, bis das Nitrat im Grundwasser wieder abgebaut ist.

"Zu viele Tiere auf engem Raum, das geht nicht. Die Tierställe werden immer größer - das stößt einfach an Grenzen, die man respektieren muss."
Georg Ehring, Deutschlandfunk Nova

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