Viele Paare hätten sich "auf Facebook kennengelernt", sagt das soziale Netzwerk selbst in einem Statement. Diesen Trend wolle man nun "gezielt bedienen" und testet eine Dating-App. Wie die genau funktioniert, erfahrt ihr hier.

Das Wichtigste zuerst: Es wird keine separate Facebook-Dating-App geben, sagt Netzreporterin Martina Schulte. Das neue Feature wird in eure normale Hauptapp integriert. Es wird kostenlos sein und – zumindest zum Start – auch ohne Werbung auskommen.

Matchmaking a la Facebook

Der Prototyp ist schon so weit gediehen, dass ihn die Facebook-Mitarbeiter in den USA – mit gefaketen Profilen – fleißig testen.

"Die über 20.000 Angestellten des Facebook-Konzerns sind die ersten User. Sie nutzen gefakte Profile, die bis zum Launch gelöscht werden sollen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Ein paar Menü-Screenshots sind bereits durchgesickert. Aus diesen geht hervor, dass ihr ein eigenes "Dating-Profil" anlegen könnt. Es zeigt anderen Usern, dass ihr auf der Suche seid. Im Profil könnt ihr verschiedene Angaben sichtbar machen, etwa die Stadt, in der ihr wohnt, oder euer Geschlecht. 

Ihr könnt euch auch als Transgender-Person deklarieren oder gezielt nach Transgender suchen. Diese Infos könnte Facebook dann dazu nutzen, euch passende Matches in eurer Umgebung vorzuschlagen. 

Privatsphäre beim Daten bleibt gewahrt

Damit nicht alle eure Facebook-Freunde gleich mitkriegen, dass ihr auf der Suche seid, läuft das sehr diskret ab, sagt Martina Schulte. Es gibt Privatsphäre-Einstellungen, über die ihr Freunde oder Freunde von Freunden bei der Partnersuche ausschließen könnt. Sie einzubeziehen geht aber scheinbar auch. 

Das Techblog Techcrunch berichtet, dass das Datingtool von Facebook – anders als etwa Tinder – nicht auf endlose Vorschlaglisten setzt. Offenbar wird die Zahl der Personen, die ihr online daten könnt, begrenzt. Damit möchte Facebook vermutlich verhindern, dass ihr mit Liebeserklärungen zugemüllt werdet, vermutet Martina Schulte. 

"Facebook will sich mit dem neuen Tool von Tinder absetzen. Das ist klug."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Das Facebook sich von Tinder unterscheiden will, macht Sinn, sagt unsere Netzreporterin. Denn laut internen Studien des bisher größten Online-Dating-Betreibers Matchgroup, der unter anderem OK Cupid und Tinder betreibt, hat Tinder Probleme mit der User-Zufriedenheit. 

Der Pool angezeigter potenzieller Partner bei Tinder ist schier endlos, was dazu führt, dass die Nutzer immer weitersuchen, nie jemanden finden – und immer unzufriedener werden. Mark Zuckerberg sagt dagegen über sein neues Dating-Feature: "Das wird für echte Langzeitbeziehungen sein und nicht einfach nur zum Anmachen".

Launchtermin steht noch nicht fest

Facebooks Datingfunktion wird jetzt erst mal ausgiebig intern getestet. Mark Zuckerberg will sich scheinbar ausreichend Zeit damit lassen, bis alles rund läuft, vermutet Martina Schulte. Nach all den Querelen um Hatespeech, Trolle und Fakenews wolle er sich sicher nicht gleich das nächste Problem ins Haus holen.

Facebooks neue Funktion würde das soziale Netzwerk jedenfalls von Null auf 100 zum ganz großen Player im Dating-Geschäft machen – denn Facebook kenne uns vermutlich besser als wir uns selbst, sagt unsere Netzreporterin. Die Matchgroup-Aktien waren nach Bekanntwerden von Facebooks Datingplänen jedenfalls drastisch eingebrochen.

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