Es ist nie zu früh, die nächste Reise zu planen. Der Reiseführer Lonely Planet gibt jedes Jahr seine "Best in Travel" Listen raus – und setzt damit laut eigenen Angaben Reise-Trends. Ist das so?

Wenn ihr verreisen und euch vorher ein bisschen schlau machen wollt: Welchen Reiseführer nehmt ihr da zur Hand - vor allem, wenn ihr euch möglichst unabhängig fühlen wollt? Na klar - Achtung Klischee: den Lonely Planet natürlich.

Die Trends, die der Lonely Planet für 2018 ausgemacht hat, sind eher so "Zweite-Reihe-Reiseziele", sagt unsere Reporterin Anke van de Weyer. Also Orte, die einem jetzt nicht als allererstes einfallen, wenn man ans Reisen denkt. Orte, an denen zwar Touristen sind, die auch schon gut erschlossen sind – aber eben noch nicht so super hip.

"Die Idee dahinter ist, dass man an solchen Orten oft ähnliche Sachen erleben kann wie bei den Hotspots – bloß mit weniger Stress."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Top Städte, die erst noch zum Trend werden

  • Bei den Städten steht zum Beispiel Sevilla auf Platz 1 (bei Spanien würde man als allererstes wahrscheinlich an Barcelona oder Madrid denken, vor allem wenn man nicht aus Europa kommt)
  • Für Belgien steht Antwerpen steht auf der Liste und nicht Brüssel
  • in Japan wurde die Kii-Halbinsel ausgewählt, sie liegt auf der Haupt-Insel Honshu, wo auch Tokio ist. Begründung: Die Region bietet alles, wofür es sich nach Japan zu reisen lohnt, ist aber noch nicht so überlaufen

Man könnte jetzt auch sagen: Lonely Planet schafft es mit solchen Listen jedes Jahr ziemlich gut, sein eigenes Geschäft am Laufen zu halten. Der Reiseführer lebt immer noch sehr von seinem Entdecker-Image, sagt Anke. Er will Orte zum Trend machen, damit dort dann die "coolen Entdecker" hinfahren. Bald sind die Ziele aber wieder so trendy, dass sie wieder uncool sind und der nächste Trend ausgerufen werden kann.

"Lonely Planet sagt: Wir geben dir das, was du sonst nirgends findest. Wenn du JETZT nach Slowenien fährst, dann kommt der Rest deiner Freunde erst übernächstes Jahr."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Dass es der Lonely Planet schafft, sich immer noch sein Entdecker-Image zu bewahren, ist eigentlich fast paradox, findet Anke. 

Paradoxe Masche

Der Lonely Planet hat inzwischen eine Gesamtauflage von etwa 55 Millionen Reiseführern. Und viele von uns haben es sicher schon erlebt: Wir stehen nicht am großen Hotspot sondern an dessen "kleiner Schwester". Blöd nur, dass da genau in diesem Moment noch zehn weitere Typen vorbeischauen, alle mit dem Lonely Planet in der Hand.

Ob mit oder ohne Reiseführer…

Ankes Fazit: Der Grundgedanke, mal zu schauen, was es denn abseits der offensichtlichen Reiseziele noch gibt, ist in Ordnung. Oft sind da ja auch gute Orte dabei. Ein bisschen fragwürdig findet sie es allerdings, Reiseziele zum Trend zu erklären wie Mode oder Musik – und dabei quasi dann zum Snob zu werden, so nach dem Motto: "Wir machen jetzt mal Georgien, Südkorea oder Malta."

"Ihr macht am besten einfach die Reisen, auf die ihr Bock habt!"
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Da ist es dann auch egal, ob mit Reiseführer, oder indem ihr euch vorher siebenhundert Orte auf Instagram markiert - oder ob ihr einfach eure Freunde fragt, wo es schön ist. Das klappt nämlich auch ganz gut.

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