Vor Gericht gelten Lügendetektoren als unbrauchbar, trotzdem kommen sie auch in Deutschland hin und wieder zum Einsatz. Jana Hauschild erzählt uns, wie das sein kann - und wie Lügendetektoren funktionieren.

Die Idee ist schon hundert Jahre alt. Seitdem hat sich nicht mehr viel am Lügendetektor verändert, erklärt die Journalistin und Psychologin Jana Hauschild. Die Grundidee: Menschen, die lügen, sind sehr nervös. Und das hat Folgen: Der Puls steigt, sie fangen an zu schwitzen und atmen unregelmäßig. 

Diese Symptome lassen sich messen: Ein Gurt kontrolliert die Atmung. Elektroden registrieren die Schweißbildung an Fingerkuppen und Handflächen. Außerdem misst ein Blutdruckgerät am Oberarm den Puls.  

Wie Lügen entlarvt werden

In Tests werden Probanden Kontrollfragen gestellt, die erst einmal nichts mit der Straftat zu tun haben. Zum Beispiel, ob sie oder er schon einmal schwarzgefahren ist. Anschließend streuen die Prüfer Fragen ein, die genau auf die Tat abzielen. Bei jeder Frage zeichnet der Apparat auf, wie der Körper des Befragten reagiert hat. Die Grundannahme: Wer lügt, ist bei den Fragen zur Tat viel aufgeregter als bei den Kontrollfragen.

"Dass Schweiß, Herzklopfen oder schnelleres Atmen tatsächlich nur mit einer Lüge zusammenhängt, dass kann man wissenschaftlich überhaupt nicht beweisen."
Jana Hauschild, Journalistin und Psychologin

Trotzdem ist klar: So zuverlässig, wie im Agententhriller, funktioniert der Lügendetektor nicht. Denn es lässt sich wissenschaftlich nicht beweisen, dass Schweiß, Herzklopfen oder schnelleres Atmen nur mit einer Lüge zusammenhängen. Das Gerät misst also nur: Hat der Proband Angst oder ist er nervös? Und dass kann mehrere Ursachen haben: Etwa als Täter überführt zu werden, aber eben auch unschuldig verurteilt zu werden. 

Detektor austricksen

Und dann sind da noch Geschichten von Menschen, die den Lügendetektor ausgetrickst haben. So beißen sich Probanden auf die Zunge oder kneifen die Pobacken zusammen. Die Folge: eine Anspannung im Körper, die die Messung des Gerätes verändert. Tests haben ergeben: Prüfer erkennen solche Täuschungen nur bei jedem achten Probanden. 

Aus den Gerichtssälen verbannt

Weil der Lügendetektor nicht eindeutig das Lügen erkennen kann, ist das Gerät aus den Gerichtssälen verbannt. So hat der Bundesgerichtshof vor 20 Jahren entschieden:  Erkenntnisse mithilfe des Gerätes haben in Strafprozessen keinerlei Beweiskraft. Schon damals haben die Richter sämtliche Fachliteratur zum Thema ausgewertet. Und auch im Jahr 2018 halten Wissenschaftler die Studienlage zum Thema Lügendetektor für äußerst dürftig. Trotzdem wird weiter versucht, ein besseres Gerät zu entwickeln. Heute geht es um Themen wie Spracherkennung, Blinzeln oder Hirnscans. 

Sachsen setzt Polygraphen ein

Verboten sind die Geräte allerdings nicht. Und so kommt es, dass in Sachsen Verdächtige weiterhin am Polygraphen angeschlossen werden. Das Ergebnis darf allerdings nicht als Beweis vor Gericht genutzt und auch nicht in der Urteilsbegründung aufgegriffen werden. Mit einer Ausnahme: um einen Angeklagten zu entlasten.  

Mehr zum Lügendetektor bei Deutschlandfunk Nova:

  • Lügendetektor: Der Wahrheit auf der Spur | Jan Bösche über eine Software von der Universität Michigan, die Lügner via Video- und Sprachanalyse überführen soll.
  • Körpersprache: Wer zappelt, lügt | Sophie Stigler über eine neue Methode, um das Lügen nachzuweisen.
  • Spionage: Verräter vom Dienst | Der Doppelagent Aldrich Ames spionierte für die USA - im Dienst der CIA - und die Sowjetunion - im Dienst für den KGB. Das Lügen war ihm so in Fleisch und Blut übergegangen, dass er sogar einen Lügendetektor austrickste.