Lügendetektoren kennen wir aus amerikanischen Filmen. Wissenschaftlich sind sie ziemlich umstritten. Trotzdem werden sie auch an deutschen Gerichten eingesetzt - häufig in Sachsen. Seit 2013 in mindestens 16 Fällen. 

Höhere Gerichte in mehreren Bundesländern haben Lügendetektoren zur Entlastung bei Familiengerichten zugelassen. Unter anderem auch das Oberlandesgericht in Dresden. Das hat entschieden, dass zur Entlastung Angeklagter ein Test mit einem Lügendetektor gemacht werden kann.

Lügendetektor im Familiengericht

Familienrecht ist oft mit Vorwürfen des einen Partners gegen den anderen verbunden. Nur selten gibt es Zeugen oder Beweismittel, weshalb die Wahrheitsfindung schwierig ist. Es steht jedem Richter frei, Lügendetektoren einzusetzen. Ein Richter in Bautzen hatte zuletzt einen eingesetzt mit der Begründung, er wolle damit die Rechtswissenschaft weiterbringen. 

"Seit 2013 gab es 16 Fälle. Und das, obwohl der Bundesgerichtshof 1998 geurteilt hatte: Lügendetektoren dürfen nicht in Strafverfahren angewendet werden, also um jemanden einer Straftat zu überführen."
Bastian Brandau, Deutschlandfunk Nova

Der Bundesgerichtshof hat vor 20 Jahren die Verwendung von Lügendetektoren in einem Strafverfahren verboten, weil es nicht möglich sei, Zusammenhänge zwischen körperlichen Reaktionen und emotionalen Zuständen zu erkennen.

In einem Fall wollte eine Mutter das alleinige Sorgerecht, weil ihr Mann sie körperlich und sexuell misshandelt habe. Der Test durch Lügendetektor ergab: Die Frau habe gelogen, der Mann die Wahrheit gesagt. Der Mann bekam das Sorgerecht. Das, obwohl ein Gutachter auf die methodischen Mängel des Verfahrens hingewiesen hatte. Das sächsische Justizministerium verweist auf die richterliche Unabhängigkeit. Christoph Gebhard von der Deutschen Opferhilfe kritisiert den Einsatz der Lügendetektoren.

"Da weiß man eben auch, dass es eine der Fehlerquellen des polygrafischen Verfahrens ist, dass nicht Lüge oder Wahrheit gemessen wird, sondern einfach Aufgeregtheit."
Christoph Gebhard, Deutschen Opferhilfe

Das Hauptziel des Opfers, die Wahrheit herauszufinden, werde durch Lügendetektoren nicht gefördert, sagt Gebhard. Es gebe bessere, weil transparentere Verfahren wie Gutachten. Die Hoffnung der Opferhilfe ist deshalb, dass Lügendetektoren nicht mehr eingesetzt werden.

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