Plastikmüll ist eine Katastrophe für unsere Meere und Ozeane – das sollte mittlerweile jede und jeder mitbekommen haben. Einmalbesteck und Strohhalme beschäftigen mittlerweile auch die große Politik. Jetzt zeigt eine Studie: Vielleicht sollten wir auch auf Luftballons verzichten.

Luftballons bestehen aus Weichplastik. Und dieses Weichplastik ist offenbar besonders gefährlich für Meerestiere. Die fressen oft Plastikmüll, weil er schon von ihren Beutetieren verschluckt wurde, oder weil sie ihn selbst für Beute halten, erklärt Veronika von Borries aus unserem Nachrichtenteam. 

In einer neuen Studie haben sich Wissenschaftler den Mageninhalt von Röhrennasen angeschaut. Das ist eine bestimmte Ordnung von Seevögeln, die vor allem auf der Hochsee leben und eigentlich nur zum Brüten an Land kommen. Das heißt, sie finden ihr Futter praktisch ausschließlich im Meer. 

Die Forscher haben tausende Vögel obduziert und nach Todesarten verglichen. Dabei hat sie besonders interessiert: Wie viele Plastikteile hatten die Tiere im Bauch. Und dabei zeigte sich: Die häufigste Todesursache für Röhrennasen ist Fischerei, weil die Vögel in den Netzen hängen bleiben. Aber: Plastik tötet auch sehr viele Tiere.  

Die Röhrennasen - zu denen auch Alabatrosse und Sturmvögel gehören - fressen vor allem Fisch. Und Plastikmüll im Meer sieht offenbar für sie wie ein Fisch oder ein anderes Stück Beute aus. So verschlingen Röhrennasen eine ganze Menge Plastikmüll, der sehr schädlich für sie ist. 

Ein schmerzhafter Tod für die Tiere

Zum einen können sie aus einem Stück Plastik keinen Nährwert ziehen. Und so gibt es immer wieder Berichte, dass Seevögel, aber auch Schildkröten und andere Meerestiere, mit vollem Magen verhungern, weil sie ausschließlich Müll gefressen haben. Die Plastikteilchen sind aber auch gefährlich, weil sie den Verdauungstrakt von Tieren blockieren und verstopfen können. Oft sind sie außerdem scharfkantig und durchstoßen die Darm – oder Magenwand. Die Folge: ein schmerzhafter Tod für die Tiere. 

Gerade Vögel sind wegen ihres Verdauungssystems besonders gefährdet. Da sie mit ihrem zahnlosen Schnabel nicht kauen können, muss das der Verdauungsapparat übernehmen. Und das läuft so: Ihre Nahrung wandert erst in den Kropf, dann in den Vormagen und dann in den sogenannten Kau- oder Muskelmagen. Der ist besonders stark und zerkleinert das Essen – oft mit Hilfe von kleinen Steinchen, die die Vögel absichtlich verschlucken. Aus dem Kaumagen wird das Essen wieder raufgewürgt in den Vormagen und wandert dann weiter in den Darm. Und genau an dieser Stelle zwischen Vormagen und Kaumagen kann sich Plastikmüll leicht verhaken und stecken bleiben. Und hier hat das Forscherteam eben auch besonders oft Luftballonteile gefunden.

"Das Problem: Plastikmüll im Meer sieht für sie leicht aus, wie ein Stück Beute. Und deshalb verschlingen Röhrennasen eine ganze Menge Plastikmüll, der sehr schädlich für sie ist."
Veronika von Borries, Dlf-Nova-Nachrichtenredaktion

Die Studie hat auch gezeigt: Je mehr Plastikteile die Tiere im Magen haben, desto eher sterben sie auch am Plastik. Und dieses Risiko steigt deutlich an, wenn auch nur ein Ballonteil dabei war.  Die Erklärung: Während Hartplastikteile auch schon mal durch den Verdauungstrakt rutschen, bleiben die klebrigen Ballonteile oft haften.  

Wie jeder weiß, der schon mal einen Ballon in der Hand hatte: Das Material ist zäh und leicht klebrig. Für Vögel offenbar eine todbringende Kombination, die dazu führt, dass Ballonteile nie wieder einen Weg aus den Vogelmägen finden. Die Folge: Sie blockieren das Verdauungssystem der Tiere, was in jedem Fall sehr schmerzhaft und oft auch tödlich ist.