Knapp, teuer - warum da nicht gleich luxuriös? In München gibt es bald neue Studentenapartments. Kosten rund 700 Euro aufwärts. Nach der Lösung für Wohnraumknappheit klingt das nicht.

Wohnungssuche für Studis - schwer, schwerer und am schwersten in München. Nach einer Analyse des Moses Mendelssohn Instituts hat sich die Wohnungssituation von Studenten in vielen deutschen Städten noch einmal verschlechtert. Fast zeitgleich eröffnet zu Semesterbeginn in München ein neuer Komplex mit Luxuswohnungen - speziell für Studenten. Entworfen von einem japanischen Architekturbüro und schön zentral: nah zur Innenstadt, fünf Minuten zur Isar, zehn Minuten zum Marienplatz.

Digitaler Waschsalon, japanischer Architekt, krasser Preis

Reserl, so heißt das Wohnhaus, das über rund 270 Wohnungen und Apartments verfügt. Diese gibt es immer nagelneu möbliert, beispielsweise als kleines Apartment, auch mit Galerie oder Dachterrasse. Dazu noch Power-WLAN und als Schmankerl einen digitalen Waschsalon. "Der lässt sich per App von den Bewohnern buchen. Da können sie dann in Echtzeit sehen, wann ihre Wäsche fertig ist", sagt Timo Haep von Strabag Real Estate, das die Wohnungen vermietet.

Studenten-Apartment Reserl in München
© STRABAG Real Estate GmbH
Reserl heißt der Komplex mit Studenten-Appartements in München-Sendling.

Ein riesiges Angebot also, aber auch ein riesiger Preis: 720 Euro kostet die kleinste Einheit, das sind etwa 20 Quadratmeter. An Interessenten mangelt es indessen aber nicht, bereits 550 Bewerber gebe es für die Wohnungen, so der Betreiber der Studenten-Apartments.

"Das ist sicher so, dass wir da eine Klientel haben, die sich diese hohen Mieten leisten kann."
Timo Haep von der Strabag AG, die die Wohnungen vermietet

Für BAföG-Empfänger wäre das Reserl kaum eine Alternative. Denn der BAfög-Höchstsatz von aktuell 735 Euro (inklusive 250 Euro Wohnraumzuschlag) kollidiert deutlich mit der Reserl-Miete. Vom Bundesdurchschnitt, den Studenten für ein WG-Zimmer zahlen, heben sich die Preise in München ohnehin deutlich ab, rechnet Stefan Brauckmann vom Moses-Mendelssohn-Institut vor. 

Mit BAföG nichts zu machen

In den Analysen des Instituts ergab sich ein Durchschnittspreis von knapp 350 Euro für ein WG-Zimmer. Rechnet man Wohnungspreise hinzu, würde die Bilanz wohl noch teurer ausfallen, so Stefan Brauckmann.

"Wenn Sie beispielsweise in München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart einen Studienplatz bekommen, dann werden Sie froh sein, ein Zimmer für 350 Euro zu bekommen. Hier liegt der Durchschnitt bei 400 Euro oder wie in München bei deutlich über 500 Euro."
Stefan Brauckmann, Moses-Mendelssohn-Institut

Die Luxus-Studibuden sind ein weiterer Weg auf den angespannten Wohnungsmarkt zu reagieren. Einen ähnlichen Ansatz haben etwa die Micro-Apartments, die ein kompaktes Angebot für Pendler oder Studis zu nicht ganz schmalen Preisen liefern. 

Konstantin Korn aus dem Vorstand des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften ärgert sich, dass solche Bauvorhaben auch vom Staat quer subventioniert würden. "Das trägt effektiv dazu bei, dass die Preise für Studiwohnungen von den Investoren doch nur immer weiter hochgedrückt werden," sagt Konstantin Korn. Er wünscht sich stattdessen eine funktionierende Mietpreisbremse und mehr Kohle für den studentischen Wohnungsbau.

"Der Staat könnte zum Beispiel den StudentInnenwerken mehr Geld geben, um Wohnheimplätze zu bauen, die dann zu erschwinglichen Preisen zu bekommen sind und auch realistische Mieten für die Studis haben."
Konstantin Korn, Vorstand Freier Zusammenschluss von StudentInnenschaften

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