Auf Mallorca gibt es ein Hotel nur für Frauen. Der Betreiber sagt, es sei keine feministische, sondern eine marktwirtschaftliche Entscheidung. Lena Breuer hat sich das Hotel für uns mit kritischem Blick angesehen.

Manche fahren zum Feiern nach Mallorca, andere zum Wandern oder Radfahren. Neuerdings gibt es ein zusätzliches Klientel: Frauen, die nur unter Frauen Urlaub machen wollen. Das Hotel Som Dona richtet sich gezielt an Frauen. Männer dürfen hier nicht rein und auch nicht arbeiten. Das Personal ist rein weiblich.

Frauenhotel = Gendermarketing?

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Lena Breuer ist nach Porto Cristo, im Osten der Insel, gefahren, um sich das Hotel einmal genauer anzuschauen. Angereist ist sie nicht ganz ohne Vorurteile. Sie fragt sich, ob das eine Form des Gendermarketings ist, so was wie Rasierer explizit für Frauen oder Männer.

"Ist das Gendermarketing, wie pinke Rasierer speziell für Frauenbeine? Nur in Hotelform? Oder doch eine feministische Alternative?"
Lena Breuer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Von der Rezeptionistin bis zur Barfrau arbeiten nur Frauen im Som Dona. Immerhin: Im Eingangsbereich steht nicht alles voll mit rosa Blumen, und auch Frauenzeitschriften sucht man vergebens. Lena hatte da Befürchtungen, ist aber erleichtert, dass es relativ normal aussieht und sie im Hotel nicht von Genderklischees überschüttet wird.

Ohne Männer können Frauen leichter entspannen

Lena trifft ein paar weibliche Gäste aus Deutschland. Die beiden Freundinnen Lena und Franziska sind zufällig im Som Donna gelandet: Sie hatten einfach nach einem schönen Hotel gesucht, sagen sie. Dass jetzt keine Männer da sind, stört sie aber überhaupt nicht. Im Gegenteil: So ließe sich leichter entspannen, sagen sie.

"Wenn auch Männer da sind, ist es halt anders. Vielleicht ist mehr flirten involviert."
Franziska, Urlauberin im Frauenhotel Som Dona

Julia aus dem Schwarzwald hat das Frauenhotel bewusst ausgewählt. Ihr klares Ziel sei Ruhe und Runterkommen. Zu Hause leitet Julia ein Restaurant, und in der Gastronomie sei sie größtenteils von Männern umgeben. Davon brauche sie Abstand. Für Julia ist das Som Dona auch ein bisschen Urlaub von der Männerwelt.

"In der Männerwelt müssen wir Frauen uns immer anstrengen, wahrgenommen zu werden. Das ist nicht immer einfach. Dieser Rückzugsort ist da sehr gut."
Julia, Gast im Frauenhotel Som Dona

Kein Feminismus, sondern pragmatische Marktwirtschaft

Mit ihrem Wunsch nach Ruhe und Entspannung gehören die drei deutschen Frauen genau zur Zielgruppe des Hotels. Das Som Dona ist Teil einer kleinen Kette von insgesamt sieben Frauenhotels auf Mallorca. Der einzige Mann im Unternehmen "Som Hotels" ist der Besitzer. Er hat einfach eine Marktlücke gesehen, sagt Antiona Iturbide, die das Hotel Som Dona leitet. Die Hotelkette aufzubauen, sei eine rein pragmatische Entscheidung gewesen, und ihr Chef sei einfach ein innovativer Typ.

"Wir haben keine feministischen Hintergedanken. Wir machen kein Statement mit dem Hotel. Es war eine pure marktwirtschaftliche Entscheidung."
Antiona Iturbide, Chefin des Hotels

Das Som Dona setzt kein feministisches Statement und ist in dieser Hinsicht ehrlich. Hier geht es ums Geldverdienen. Und Frauen, die alleine – ohne Männer – Urlaub machen wollen, scheinen viel Geld zu bringen.

Die 39 Zimmer des Hotels waren seit der Eröffnung im Juni sehr gut gebucht, sagt die Hotelchefin. Die Kundinnen sind hauptsächlich Deutsche, Mutter- und Tochter-Kombinationen, Freundinnen und Schwestern. Das Som Dona wirbt mit gesundem Essen und einem kleinen Wellnessangebot.

Viele Genderklischees werden bedient

Für unsere Reporterin Lena Breuer bedient das Hotel allerdings ein paar zu viele Klischees. Es sei zwar nicht pink gestrichen, aber auch nicht weit weg von Szenen à la "Mädelstrip mit der besten Freundin bei frisch gepresstem Detoxsaft", sagt sie.

Hotelchefin Antonia Iturbide leugnet gezieltes Gendermarketing nicht. In erster Linie sei es aber die Abwesenheit von Männern, die Frauen richtige Entspannung bringt.

"Ich glaube, dass die Mehrheit von uns Frauen gerne kokettiert. Wir möchten einfach möglichst gut dastehen vor Männern – und dann sind wir unentspannt."
Antiona Iturbide, Chefin des Hotels

Lena verlässt das Hotel mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite versteht sie, dass da einfach eine Marktlücke war, in die das Hotel reingestoßen ist. Konsequent sei immerhin, dass von der Technikerin über die Barfrau bis zur Chefin nur Frauen dort arbeiten.

Auf der anderen Seite machen sie die vielen Geschlechterklischees ein bisschen traurig, sagt Lena Breuer: "Denn sie bedeuten vor allem eins: Ein sehr negatives Männerbild."

Lena Breuers Fazit zum Konzept Frauenhotel: "Am allerschönsten fände ich es, wenn wir irgendwann einfach zwischen Ruhehotel und Partyhotel unterscheiden. Ganz egal welches Geschlecht da übernachtet."