In den Niederlanden und in Dänemark haben Single-Frauen die Möglichkeit, sich ihren Kinderwunsch alleine zu erfüllen - ganz ohne Mann, dank künstlicher Befruchtung. Und wie geht es den Kindern, die so zur Welt kommen? Die Psychologin Mathilde Brewaeys hat das untersucht. 

Mathilde Brewaeys wollte wissen, ob es Kindern von Single-Müttern schlechter geht, als anderen Kindern. Eines der wichtigsten Ergebnisse: Kinder, die ohne Vater aufwachsen, habe nicht mehr psychische Probleme als Kinder, die mit Vater aufwachsen.

"I found out there were no differences in the problem behavior of children. So in both groups there was an equal amount of problem behavior and the well-being of the children was not different for family types."
Mathilde Brewaeys, Psychologin am Medizinischen Zentrum der Freien Universität in Amsterdam

Die Psychologin am Medizinischen Zentrum der Freien Universität in Amsterdam hat 69 Alleinerziehende befragt und 59 Mütter aus Hetero-Familien. Ein Punkt ist allerdings wichtig: Es ging bei der Studie nur um alleinerziehende Frauen, die sich für eine künstliche Befruchtung entschieden haben – und nicht um Frauen, bei denen der Partner gestorben ist oder die sich haben scheiden lassen.

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Die Psychologin hat nur die Mütter befragt – keine Väter, und die Mütter hatten alle Kinder im Alter von anderthalb bis sechs Jahren. Dazu hat die Psychologin psychologischen Standardtest benutzt, um das Verhalten der Kinder zu untersuchen. Da wird zum Beispiel gefragt, ob das Kind Tiere quält oder Probleme in der Schule hat. Außerdem hat die Psychologin die Mütter nach ihrem sozialen Umfeld befragt.

Mathilde Brewaeys hat sich besonders für diese Single-mothers by choice interessiert - also für Frauen, die sich entscheiden, ohne Mann ein Kind zu bekommen, weil das in den Niederlanden zwar grundsätzlich erlaubt ist, am Ende aber die Zentren, die die künstliche Befruchtung anbieten, entscheiden, ob sie einer Single-Frau mit Kinderwunsch helfen oder nicht. Und Ärzte, die das ablehnen, argumentieren eben oft: Kinder bräuchten einen Vater, um glücklich und gesund aufzuwachsen.

So kamen Untersuchungen über Familien ohne Vater an der Uni Leipzig zum Schluss: Wer ohne Vater aufwächst, ist bis ins hohe Alter hinein öfter müde, misstrauischer und ängstlicher als in der Vergleichsgruppe. 

Keine groß angelegte Studie - trotzdem spannend

Mathilde Brewaeys Arbeit ist spannend, sagt unsere Reporterin Vera Pache. Weil es das Phänomen alleinerziehende Mütter durch künstliche Befruchtung noch gar nicht so lange gibt. Demnach wissen wir noch nicht viel darüber, ob es einen Unterschied macht, warum eine Frau Kinder alleine großzieht. Es spricht zum Beispiel einiges dafür, dass sich Frauen, die einen guten Job haben und sich mit Ende Dreißig einen Kinderwunsch erfüllen, genau überlegen, was das bedeutet. Die Situation der Kinder ist also möglicherweise eine andere, wenn sich Eltern mit großem Krach scheiden lassen, der Vater stirbt oder eine Frau in jungen Jahren zufällig schwanger wird und der Partner abhaut. 

Und Mathilde Brewaeys hat noch etwas herausgefunden: Alle Mütter waren ungefähr gleichermaßen gestresst, aber die alleinerziehenden Mütter haben ein viel größeres soziales Netz, das sie unterstützt.

"Then I found out that single mothers by choice have bigger social support system than mothers from two parent families. And I also found out that the mothers in both family types had an equal amount of emotional involvement and parental stress."
Mathilde Brewaeys, Psychologin vom Medizinischen Zentrum der Freien Universität in Amsterdam

Kritik an der Studie

Unsere Reporterin übt aber auch Kritik an der Studie: So hat Mathilde Brewaeys nur Familien mit kleinen Kindern, die maximal sechs Jahre alt waren, befragt. Außerdem hat die Psychologin ihre Befragung nur einmal durchgeführt. Wie es älteren Kindern geht, die möglicherweise irgendwann Fragen stellen: Wer ist mein Vater? Kann ich den mal sehen? Überhaupt der ganze Umgang mit dem Thema - das sind entscheidende Fragen, die in der Arbeit von Mathilde Brewaeys nicht beantwortet werden. Aber die Psychologin hat angekündigt, weiter an dem Thema forschen zu wollen. Gerade schreibt sie Anträge für Forschungsgelder, damit sie ihr Projekt fortführen kann.