Statt menschlichem Unterschenkel eine künstliche Prothese - na und? Markus Rehm sprintet so schnell und springt so weit wie Sportler ohne orthopädisches Hilfsmittel. Und er zeigt: Eine Prothese ist kein Hindernis.

An einem Bein von Markus Rehm fehlt der Unterschenkel. Als er 14 Jahre alt war, hat er ihn bei einem Wakeboard-Unfall verloren. Seitdem läuft und springt er mit einer Prothese. Markus ist Leichtathlet, und zwar einer der besten. Mehrere Goldmedaillen hat er weltweit schon gewonnen im Sprinten und Weitsprung.

Markus ist außerdem Orthopädietechnik-Meister. Sein Leben ist im Lot, keine Spur von Gram oder Pessimismus, weil er eine körperliche Beeinträchtigung hat. Nach dem Unfall damals war es vor allem in den fünf Wochen Reha nicht leicht, sagt er. Er war viel allein, fragte sich, wie es weiter geht - und als Teenager hat man eigentlich sowieso anderes im Kopf als grundsätzlich über sein Leben nachzudenken. "Die Zeit hat mich extrem geprägt und geformt", sagt er heute.

Er hat damals schnell beschlossen, dass es möglichst normal weitergehen muss. Ein Jahr nach dem Unfall stand er mit Prothese wieder auf einem Wakeboard.

Prothese mit natürlichem Sprunggelenk vergleichbar?

Man könnte sich grundsätzlich fragen, wieso man Markus eine Beeinträchtigung oder gar Behinderung zuschreibt. Menschen mit Brille oder Ältere mit Gehhilfe gelten schließlich auch nicht als behindert. Und wenn man das so sieht, dann müsste Markus auch an Regel-Wettbewerben teilnehmen und sich mit Sportlern ohne Prothese messen dürfen.

Genau das hat er 2014 gemacht - und im Weitsprung gewonnen. Danach hat der Deutsche Leichtathletik-Verband Zweifel geäußert, "dass Sprünge mit Beinprothese und mit einem natürlichen Sprunggelenk vergleichbar sind." Bei den folgenden Wettbewerben durfte Markus mitmachen. Er wurde allerdings anders bewertet als die Sportler ohne Prothesen.

Markus hofft, dass man in Zukunft eine Methode findet, um exakt zu messen, ob die Prothesen einen Vorteil bedeuten. So oder so springt er immer weiter.