Marlene Engelhorn und Antonis Schwarz sind reich. Arbeiten mussten sie dafür nicht. Dieses "Geburtenglück" wollen sie nutzen, um die Gesellschaft positiv zu verändern: Marlene will 90 Prozent ihres Erben spenden, Antonis investiert in Unternehmen, Organisationen oder Fonds, die soziale und ökologische Ziele verfolgen. Beide machen sich für die Vermögenssteuer stark.

Marlene Engelhorn (28) ist Germanistikstudentin aus Wien. Sie wird Geld von ihrer Oma erben – sehr viel Geld, vermutlich einen zweistelligen Millionenbetrag, hat sie uns erzählt. Ihr Großvater war Gesellschafter eines Pharmaunternehmens. Marlene nennt es "Geburtenglück". Sie habe nicht dafür arbeiten müssen, dass sie so viel Geld besitzen wird.

"Ein Prozent der Bevölkerung hält 40 Prozent des Vermögens. Ich werde dazugehören – und ich habe dafür nicht arbeiten müssen."
Marlene Engelhorn, Millionenerbin

Deshalb möchte sie 90 Prozent ihres Erbes spenden. Sie möchte eine "Umverteilung von Reichtum, Land und Macht" und setzt sich für eine hohe Vermögenssteuer "für das oberste Prozent" ein. Mit gleichgesinnten jungen vermögenden Menschen und den Millionaires for Humanity setzt sie sich für diese Ziele ein.

Die "Wunderwaffe" Reichtum

Marlene macht bei der Initiative #taxmenow mit - genauso wie Antonis Schwarz. In der von ihm 2016 gegründeten Guerilla Foundation, die Aktivisten und soziale Bewegungen in Europa unterstützt, ist sie Mitglied.

Antonis ist Anfang 30 und Erbe des rheinischen Unternehmens Schwarz Pharma. Er setzt sein Vermögen für ökologisch orientierte Zwecke und Philantropie ein, wie er selbst sagt. Der Deutsch-Grieche, der in München lebt, investiert in Unternehmen, Organisationen oder Fonds, die soziale oder ökologische Ziele verfolgen.

"Eigentum verpflichtet. Mit viel Macht geht auch viel Verantwortung einher."
Antonis Schwarz, Millionenerbe

Als vermögender Mensch habe man die Chance, bestimmte Dinge im positiven Sinne anzustoßen: Wer Geld habe und das in kritischen Zeiten wie den heutigen nicht zum Wohle der Gesellschaft einsetze, verhalte sich "grob fahrlässig", findet Antonis. Reichtum sei eine Art "Wunderwaffe".

Die Geschichte zeige, dass die Mächtigen und Reichen eigentlich nie gerne ihre Macht geteilt haben, sagt Antonis. Natürlich habe es Ausnahmen gegeben. Doch meistens sei wirtschaftliche und politische Macht wie eine Art Droge, von der man immer mehr haben will, von der man nie genug hat. Wahrscheinlich sei die Lust aufs Teilen daher "nicht gerade intuitiv", glaubt er.

Macht als Droge

Das Problem sei das System, findet Marlene Engelhorn. Denn dieses überlasse es vermögenden Menschen, die in Machtpositionen sind, selbst zu entscheiden, welche Beiträge sie zur Gesellschaft leisten möchten, von der sie profitieren. Von den "wohlwollenden Superreichen" zu sprechen, findet sie "schräg". Es sollte viel normaler bzw. selbstverständlich sein, zu teilen.

"De facto sollte man einfach sagen: Es gibt keine Frage, ob man teilt, sondern es ist einfach so. Wir sind in der Gesellschaft gemeinsam, wir teilen gemeinsam. Punkt."
Marlene Engelhorn, Millionenerbin

Antonis stellt eine "psychologische Interpretation" an und sagt, viele Superreiche in Deutschland hätten einen Hang, ihr Vermögen "doppelt und dreifach abzusichern". Er macht dort eine regelrechte "Panik, das Vermögen zu verlieren" aus – aus Angst vor der nächsten Superkrise, aber auch wegen lange zurückliegender Kriegserfahrungen. Marlene widerspricht: Gerade Menschen, die wenig Geld haben, seien die großzügigsten Menschen, die sie kenne. Mangelerfahrungen führten nicht zwangsläufig zu Geiz, glaubt sie.

Im Gespräch mit Sebastian Sonntag geht es um noch viel mehr: etwa um globale Steuerpolitik und Steuervermeidungsstrategien von Jeff Bezos, Elon Musk und Co. Um Profifussballer, Kapitalismus und Demokratie. Und um das große Ganze. Es lohnt sich, klickt oben auf das Audio.