Die EU hat die Maskenpflicht für Flüge aufgehoben, jetzt sollen die Länder selbst entscheiden. Studien zeigen: Die Maske reduziert das Infektionsrisiko. Die Debatte um die Maske ist aber auch symbolisch aufgeladen. Es geht darum, wofür die Maske nach zwei Jahren Pandemie steht.

Der Sommer kommt, die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus nimmt weiter ab und die Behörden lockern die Corona-Maßnahmen. Auch im Luftverkehr fällt die Empfehlung für eine Maskenpflicht in Flugzeugen und an Flughäfen durch die EU ab sofort weg. Das haben die Europäische Luftsicherheitsagentur (EASA) und die Europäische Gesundheitsbehörde (ECDC) Anfang Mai beschlossen.

Gründe dafür werden besonders die Impfquoten, eine zunehmende Immunität nach einer Ansteckung mit dem Virus und die Corona-Lockerungen einiger Länder genannt.

Maskenpflicht im Flieger: Länder entscheiden

Neu ist, dass jetzt die An- und Abflugsländer über das verpflichtende Tragen einer Maske selbst entscheiden. Für Flüge, die in Deutschland starten oder landen, bedeutet das: weiter Maske tragen. Das ist aktuell noch bis zum 23. September im Infektionsschutzgesetz so festgelegt und gilt neben Flugzeugen auch für Fernzüge. Ähnlich sehen es nach einer Liste der Fluggesellschaft Ryanair die nationalen Gesetze in mindestens 15 weiteren EU-Ländern wie Spanien, Portugal oder auch Italien vor.

Was die Maske noch bringt

Wie sinnvoll eine Maskenpflicht im Flugzeug, Zug oder Bus aktuell noch ist, hängt auch davon ab, welche Absicht dahinter steckt. Zu Beginn der Pandemie 2020 ging es noch darum, dass sich möglichst wenig Menschen mit dem Coronavirus anstecken. Heute geht es hingegen darum, unterwegs besonders diejenigen zu schützen, die zu Risikogruppen zählen.

Würde die Maskenpflicht wegfallen, "müsste man mindestens dafür sorgen, dass alle, die ein Risiko haben, mit guten FFP2-Masken ausgestattet sind", sagt Kathrin Kühn aus der Dlf-Wissenschaftsredaktion. Denn: Studien zeigen zwar, wie deutlich das Risiko einer Ansteckung durch das Tragen einer FFP2-Maske in Flugzeugen abnimmt. Dafür ist es aber entscheidend, dass die Maske durchgängig ohne Pause getragen wird, eine gute Qualität hat und optimal sitzt, also an keiner Stelle Luft durchlässt. Alles Faktoren, die in der Praxis nur bedingt umsetzbar sind.

"Kann man die Maske weglassen, wo Menschen reisen und auf Fremde treffen? Oder sagt man, die, die sich schützen wollen oder müssen bekommen den Schutz dort noch?"
Kathrin Kühn, Dlf-Wissenschaftsredaktion

Besonders in Flugzeugen sorgt auch die Lüftung für ein geringeres Ansteckungsrisiko als in anderen Verkehrsmitteln. Dafür ziehen Lüftungsschlitze im Boden und in den Seiten der Kabine die verbrauchte Luft ein. Die Frischluft kommt über Düsen in der Decke in das Flugzeug.

Bis die gesamte Luft ausgewechselt ist, dauert es allerdings einige Minuten. Währenddessen sitzen die Reisenden eng nebeneinander. Ist unter ihnen jemand Coronapositiv und die Virenlast hoch, reichen ein paar Minuten aus, um sich anzustecken – auch ohne Husten oder Schnupfen. Ein Restrisiko bleibt also auch trotz Lüftung.

Eine Maskenpflicht in Flugzeugen könnte zudem helfen, möglichst in die Länge zu ziehen, dass neue Virusvariante auch nach Deutschland kommen. Die Masken würden wie eine Art Bremse funktionieren, sagt Kathrin Kühn.

Debatte mit Symbolik

Neben dem Schutz der Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören, gibt es zusätzlich noch die individuelle Risikobewertung jedes Einzelnen. In der aktuellen Debatte um eine Maskenpflicht im Flugzeug, Zug oder Bus geht es mittlerweile auch darum, für was die Maske steht, sagt Kathrin Kühn aus der Dlf-Wissenschaftsredaktion.

Der Jurist und Politikwissenschaftler Rob Kahn hat die Debatte um die Maskenpflicht in den USA analysiert. Er kam zu dem Ergebnis: Bei der Debatte handelte es sich nicht mehr um einen sachlichen Austausch, sondern um eine emotionale Diskussion. In dieser seien Maskenträger*innen von Kritiker*innen als brave Schafe dargestellt worden, die alles mitmachen würden. Andersherum haben die Kritiker*innen das Ablegen der Maske als Zeichen von Freiheit gedeutet.

Kathrin Kühn nimmt die Debatte gerade als angespannt wahr, weil die Maske inzwischen symbolisch aufgeladen sei: "Manchmal entlädt sich in einer Situation, in der es eigentlich nur um eine Maske geht, der ganze Konflikt, der Leidensdruck der Pandemie, ohne dass wir das merken."