Während der Masterarbeit auf Fidschi leben – das klingt nach einem Studenten-Traum. Für Burkhart und Sarah wurde dieser Traum Wirklichkeit. Sie haben die Mangrovenwälder auf Fidschi erforscht.

Auf Fidschi studieren und forschen – was wie ein Traum klingt, ist aber in der Wirklichkeit auch mit teilweise harten Bedingungen verbunden. Die 25-jährige Sarah Reimer räumt jedenfalls schnell mit der Südsee-Idylle auf: In dem tropisch-heißfeuchten Klima regnet es fünfmal mehr als in Hamburg. Dort studieren Sarah und ihr 28-jähriger Kommilitone Burkhart Brielmaier Holzwirtschaft.

Ziel ihrer Forschungen auf Fidschi ist, eine Methode zu entwickeln, die Biomasse der Mangrovenwälder aufzunehmen und daraus die Fähigkeit dieser Wälder zu ermitteln, Kohlenstoff zu speichern. Wer sich noch an den Bio-Unterricht in der Schule erinnert, weiß: Bäume nehmen das klimarelevante Gas Kohlendioxid (CO2) auf und setzen es bei der Photosynthese in Zucker und Sauerstoff um. Den Zucker behält der Baum, den Sauerstoff gibt er ab. Das ist gut für uns und das Klima. 

Wie viel Kohlenstoff speichern Mangroven?

Mangroven sind salzwassertolerante Gehölze mit den charakteristisch hohen Wurzeln. Davon wachsen jede Menge an den Küsten Fidschis. Allerdings gibt es bisher nur wenig Daten über die Kohlenstoffspeicherfähigkeit der Wälder.

"Mangroven sind ein sehr wichtiges Ökosystem. Sie können die Auswirkungen des Klimawandels mildern und eine Lebensgrundlage sichern. Ganz trivial: Wenn der Meeresspielgel ansteigt, können sie immer noch für eine Landesbefestigung sorgen."
Burkhart Brielmaier studiert Holzwirtschaft in Hamburg

Der südpazifische Inselstaat Fidschi gilt als Vorreiter der Pazifikstaaten in Bezug auf Klimaschutz. Deshalb will der Staat wissen, welche Kohlenstoffspeichermöglichkeit die Mangrovenwälder haben. 


Jeder Chief auf Fidschi entscheidet mit

Allerdings ist Fidschi politisch etwas anders strukturiert: Jede Insel wird von einem Chief regiert. Deshalb haben Sarah und Burkhart jeden einzelnen Chief abgeklappert und ihnen ihr Forschungsprojekt vorgestellt. Die Chiefs haben die beiden sehr freundlich und offen aufgenommen und sich das Projekt genau erklären lassen. 

"In Fidschi ist alles sehr einfach. Da hat man sich auf eine schöne Bambusmatte auf den Boden gesetzt, immer im Schneidersitz und ja nicht die nackten Füße auf jemanden zeigen lassen. Dann hat man sich und das Anliegen vorgestellt und ausgetauscht."
Burkhart musste jeden Chief um Zustimmung zur Forschung bitten

Die Chiefs haben Sarah und Burkhart auch ihre Unterstützung angeboten, beispielsweise dass jemand die beiden mit einem Boot in die Mangrovenwälder fährt. Zum Abschluss der Unterhaltung haben die Chiefs und die beiden Studenten ein Getränk aus der Kava-Wurzel getrunken. Diese Zeremonie bedeutet, dass die Fremden als Bürger des Dorfes aufgenommen sind.

"Wenn man diese Zeremonie durchführt, dann ist man wirklich Bürger dieses Dorfes."
Burkhart hat mit den Chiefs Kava getrunken

Der Forschungsalltag auf Fidschi hat trotz der traumhaften Umgebung auch aus vielen Arbeitsstunden im Büro bestanden, erzählt Sarah. 

"Unser Büro lag wunderschön im Nationalpark in der Nähe der Hauptstadt Suva. Nach zehn Minuten Fußweg war man im Urwald, auch ein wunderschöner Wasserfall war in der Nähe. Da konnte man es sich in den Pausen gut gehen lassen."
Sarah Reimer studiert Holzwirtschaft in Hamburg

Konkret haben Sarah und Burkhart den Mangrovenwald inventarisiert, um daraus Rückschlüsse auf die Biomasse ziehen. Aus der berechneten Biomasse können dann wiederum Rückschlüsse auf die CO2-Speicherkapazität der Mangrovenwälder ziehen. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit hat das Projekt finanziert. Inventarisieren heißt: Sarah und Burkhart sind an den Küsten entlang durch die Wälder und den Schlamm gewatet.

"Wir standen teilweise bis zu den Knien im Schlamm."
Burkhard über seine Forschungsarbeit auf Fidschi

Erschwerend kommen noch Moskitos hinzu, die die beiden genervt haben. Außerdem riecht es eher nach Kompost in den Mangroven, weil der Boden sehr moderig ist, erklärt Burkhart. Manchmal haben es die beiden geschafft, auf den Wurzeln zu balancieren, sodass sie nicht in den Schlamm treten mussten. Für die Arbeit vor Ort haben die beiden allerdings nur ein Zeitfenster von vier Stunden gehabt, sagt Sarah, - bedingt durch die Gezeiten.

Unter der Woche haben die beiden zusammen mit den Forstarbeitern vor Ort in der Nähe der Mangrovenwäldern gecampt. Abends hat das Team zusammen gekocht und gesellig  zusammengesessen. "In Fidschi wird sehr viel gegessen," stellt Burkhart fest. Das Essen ist sehr stärkehaltig, sagt Sarah. Beliebt ist zum Beispiel Maniok und es gibt viel Fisch.

Besonders schwierig hat Sarah die Umstellung des Körpers auf die neue Umgebung empfunden. Die Hygienestandards sind niedriger und das Wasser ist nicht so sauber wie in Deutschland, sagt Sarah.

"Am Anfang musste sich das Immunsystem erst einmal einstellen auf die fidschianischen Hygienebedingungen."
Sarah hatte anfangs Probleme

Frauen müssen auf Fidschi Sulu tragen. Das ist ein Tuch, das sich Sarah um die Hüften geschlungen hat. Auch sonst kleiden sich die Frauen weniger freizügig und konservativer. Überhaupt hat sich Sarah bei den fidschianischen Forstarbeitern erst einmal Respekt verschaffen müssen. "Aber ich glaube, das ist in Deutschland auch nicht anders", sagt Sarah.

Auf das Studium der Holzwirtschaft ist Sarah durch ihren Vater gekommen, der Tischler ist. Weil es sie auch immer schon in die Natur getrieben hat und sie sich keinen Bürojob vorstellen konnte, hat sie sich letztlich für das Studium der Holzwirtschaft entschieden.

"Ich bin mit dem Geruch von Holz groß geworden."
Sarah über ihre Entscheidung, Holzwirtschaft zu studieren

Burkhart kommt aus einer ländlichen Gegend und war früher schon viel im Wald gewesen, um dort mit seinem Großvater Holz zu schlagen. Er hatte auch darüber nachgedacht, Förster zu werden, hat sich letztlich doch für das Studium der Holzwirtschaft entschieden.

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