"Jeder Sechste ein Flüchtling", so lautet die Überschrift einer Langzeitreportage aus Meßstetten. In der Kleinstadt in Baden-Württemberg ist seit Ende 2014 eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge eingerichtet. Sandra Müller ist Reporterin beim SWR und begleitet die Entwicklung vor Ort.

Es ist einiges los im kleinen Örtchen Meßstetten auf der Schwäbischen Alb. Bei nur 5000 Einwohnern kennt jeder jeden. Seit Ende Oktober in einer alten Kaserne eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge eingerichtet wurde, ist es vorbei mit der Ruhe und Beschaulichkeit einer abgelegenen Kleinstadt. Plötzlich sind viel mehr Menschen auf den Straßen unterwegs. Meistens zu Fuß.

In einer Großstadt würde das Verhältnis vielleicht gar nicht großartig auffallen. Da vermischt sich das schnell. Und Großstädter sind daran gewöhnt, ständig fremden Menschen zu begegnen. Das ist in Meßstetten anders. Und deshalb passiert, was so oft passiert, wenn wir Unbekanntem begegnen: die Menschen haben Angst, sind verunsichert.

Kaum Kriminalität, viel Pfefferspray

Seit einem halben Jahr leben die Meßstettener jetzt mit den Flüchtlingen zusammen. Mehr Kriminalität gibt es deswegen nicht, sagt die Polizei. Also keine Überfälle oder Übergriffe. Nur die Zahl der Ladendiebstähle hat sich erhöht. Das ist natürlich Gesprächsthema im Ort. Aber die Angst ist trotzdem da. Seit die Flüchtlinge in der Kaserne in Meßstetten wohnen, hat der örtliche Militaryshop mehr Pfefferspray verkauft. Trotzdem scheinen sich die Bewohner des Örtchens mit der Situation zu arrangieren.

Die Multimediareportage von Sandra Müller und Katharina Thoms