Russland brauchte einen Grund, den Krieg in der Ukraine zu legitimieren. Dass das Narrativ, der ukrainische Präsident sei ein Neo-Nazi und es gebe einen Genozid an russischen Zivilisten pure Falschinformation ist, ist nicht allen klar und kann sich deshalb gut verbreiten. Eine Politologin klärt auf über die Methoden der gezielten Desinformation russischer Medien.

In der Europäischen Union dürfen die russischen Staatsmedien RT und Sputnik ihre Inhalte nicht mehr verbreiten. Weder im Netz noch über TV-Kanäle. Alle EU-Länder sind aufgefordert, dieses Verbot umzusetzen. Das hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 27.02.2022 als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine angekündigt.

Der Grund: Russische Staatsmedien verbreiten schon seit Jahren aus strategischen Gründen Desinformationen. Einerseits sollen so bestehende Portale und Informationsangebote im Ausland delegitimiert werden, andererseits sollen diese Desinformationen nach innen stabilisierend wirken. Jetzt sei ein Höhepunkt dieser russischen Desinformations erreicht, sagt die Osteuropahistorikerin und Politologin Susanne Spahn. Dazu gehöre die Erzählung, dass russische Bürger in der Ukraine durch eine russische Invasion beschützt werden müssten.

Fakes sollen den russischen Angriff rechtfertigen

Diese Erzählung sei ein altes Narrativ, das seit der russischen Annexion der Halbinsel Krim kursiere. Dabei sei neuerdings auch von einem Genozid im ukrainischen Teil des Donzebeckens die Rede. Für diesen Vorwurf gibt es allerdings keine Belege, sagt Susanne Spahn.

"Das Ganze dient dem Ziel, die militärische Intervention Russlands zu rechtfertigen. Neu ist eigentlich die Schärfe, mit der das wiederholt wird."
Susanne Spahn, Osteuropahistorikerin und Politologin

Mit Fragen gegen Desinformation

Wenn Propaganda und Desinformation weitergegeben werden, passiert das entweder wissentlich und gezielt, oder aus Unwissenheit, berichtet die Journalistin Carla Reveland vom ARD-Faktenfinder. Bei Unwissenheit sieht sie einen Ansatzpunkt und nennt als Beispiel eine Bildmontage, die den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit einem Trikot zeigt auf dem ein Hakenkreuzbild montiert ist. Angesichts des jüdischen Familienhintergrunds von Wolodymyr Selenskyj, stelle sich schon die Frage, ob es plausibel ist, dass er sich stolz mit Nazisymbolen schmücke, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stephan Beuting. Ein Großteil der Falschnachrichten lasse sich mit ein bis zwei solcher Fragen enttarnen.

"Glaub nicht dem, der dir sagt, wem du glauben sollst, bilde dir deine eigene Meinung auf Grundlage von Fakten."
Stephan Beuting, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Das gefälschte Bild stehe für eine Lüge, die von russischer Seite verbreitet werde, um den Krieg gegen die Ukraine zu begründen, sagt die Journalistin Clara Reveland. Sie empfiehlt bei fraglichen Inhalten die Suche im Netz mit dem Begriff Faktencheck zu verbinden.

"Von Präsident Wolodymyr Selenskyj gibt es ein Bild, auf dem er als angeblicher Nazi dargestellt wird. Das spielt rein in dieses Narrativ von Putin und Russland, dass in Kiew ein Naziregime herrscht. Indem das Bild weiter verbreitet wird, wird ein Narrativ gestützt, das eine Lüge ist."
Clara Reveland, Journalistin

Der zweite kritische Blick lohne sich besonders für Menschen, die emotional involviert seien, etwas glauben wollen, oder gerne Influencerinnen und Influencern folgen, sagt Clara Reveland. Gefälschte Bilder und Videos lassen sich in manchen Fällen mit relativ geringem Aufwand entlarven. Spiegel online hat das für die Plattformen Twitter und Tiktok ausprobiert.