Momentan erreicht uns eine Fülle an bedrückenden, schlechten Nachrichten. Doomscrolling sollten wir vermeiden – und stattdessen auf uns aufpassen, damit wir uns nicht überfordern. Es gibt Wege, wie wir informiert bleiben – und dabei gesund.

Bei der aktuellen Nachrichtenlage fällt es nicht wenigen von uns schwer, die richtigen Worte zu finden. Meldungen über Kriege, eskalierende Konflikte, Erdbeben, Tote und Verletzte – das alles kann erdrückend sein.

"Unsere Wahrnehmung und damit unsere Umgebung bestimmen sehr stark, wie wir die Welt sehen", sagt Maren Urner, Neurowissenschaftlerin und Professorin für Medienpsychologie. Wenn unsere Stimmung getrübt ist und wir dann immer noch mehr schlechte Nachrichten konsumieren, kann das unseren Körper und unsere Psyche negativ beeinflussen. Es kann uns sogar krank machen.

Gewohnheiten finden, die uns guttun

Das heißt nicht, dass wir uns davor verschließen sollten, was auf der Welt passiert. Es geht vielmehr darum, wie wir uns darüber informieren, also welchen Umgang wir für uns wählen. Anstatt jede freie Minute am Handy zu hängen und die Nachrichten zu checken, können wir unseren Medienkonsum zum Beispiel auf Tageszeiten oder einen sozialen Kontext begrenzen, erklärt die Neurowissenschaftlerin. Sie spricht von Wenn-Dann-Bedingungen.

"24 Stunden, sieben Tage die Woche negative Nachrichten zu konsumieren, wird nicht dazu führen, dass wir gut informiert sind. Es wird vor allem auch nicht dazu führen, dass wir in der Lage sind, irgendwie gut damit umzugehen."
Maren Urner, Neurowissenschaftlerin und Medienpsychologin

Wir können beispielsweise für uns festlegen: Wenn wir Feierabend haben, eine Lernpause machen oder spazieren gehen, dann informieren wir uns über die aktuelle Lage auf der Welt. Oder wir entscheiden uns dafür, einen Blick auf die Nachrichten zu werfen, wenn wir uns mit Freund*innen treffen.

Damit schaffen wir uns auch Räume und Zeiten, in denen wir bewusst auf Erreichbarkeit verzichten. Das gibt unserem inneren System Zeit, die Informationen und das Erlebte zu verarbeiten – was entscheidend ist, so Maren Urner. Es geht darum, Gewohnheiten zu entwickeln, die für uns persönlich funktionieren und uns guttun.

"Es braucht Zeit zum Verarbeiten. Diese Zeit ist ganz wichtig."
Maren Urner, Neurowissenschaftlerin und Medienpsychologin

Neben dem, was jede*r Einzelne machen kann, sieht Maren Urner die Verantwortung vor allem auch bei Medienschaffenden. Sie fordert einen konstruktiven Journalismus. Statt mit einem Negativfokus über Themen zu berichten, sollten sich Journalist*innen darüber bewusst sein, welchen Stress schlechte Nachrichten für uns bedeuten.

Handlungsalternativen aufzeigen

Wenn Menschen immer wieder nur negative Berichte lesen, in denen keine Handlungsalternativen aufgezeigt werden, führe das zu Hilflosigkeit, Resignation und Passivität. Was dann passieren kann, ist der Rückzug ins Private, statt aktiv gegen den Missstand vorzugehen. Was wir tun können: darauf achten, welche Seiten wir abonnieren, welche Fernsehsendungen wir ansehen und welche Podcasts wir anhören.

Miteinander sprechen

Am Wichtigsten ist aber, dass wir mit anderen darüber sprechen, wie es uns aktuell geht. Ehrlich über seine Gefühle zu reden und diese in Worte zu fassen, ist zwar manchmal gar nicht so einfach. Wenn wir uns aber an Menschen wenden, denen wir vertrauen, kann das ungemein helfen, sagt die Neurowissenschaftlerin.

Shownotes
Israel, Ukraine, Afghanistan
So gehen wir besser mit schlechten Nachrichten um
vom 10. Oktober 2023
Moderatorin: 
Diane Hielscher
Gesprächspartnerin: 
Maren Urner, Neurowissenschaftlerin und Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft Köln