Körperteile, Köpfe - sie kommen tiefgefroren aus dem Ausland zu uns, für die medizinische Weiterbildung. Klingt makaber, ist jedoch notwendig.

Es gibt zwei Bereiche in der Medizin, die mit Körperspenden, also mit Leichen oder Teilen von ihnen, arbeiten: Zum einen werden sie für die Aus- und Weiterbildung von Medizinstudenten genutzt. Zum anderen zu Übungszwecken, damit sich Ärzte auf Operationen vorbereiten können. 

"Wenn es um feinere Techniken - zum Beispiel im Gesicht oder am Augenlid geht -, dann kann das Formalin das zum Teil unmöglich machen, gewisse Operationstechniken richtig zu üben. Also auch Techniken, bei denen es zum Beispiel darum geht, an der Nase zu operieren."
Holger Gassner, plastischer Chirurg

In Deutschland gibt es vor allem mit Formalin konservierte Leichen. Die eignen sich zwar für den Anatomiekurs, den Medizinstudenten absolvieren müssen, aber nicht, um Operationen zu üben. Dafür braucht man sogenannte freshly frozen bodies - also frisch gefrorene Körper. Ihr Gewebe hat ähnliche Eigenschaften wie das einer lebenden Person. 

Hohe Kosten fallen für Körperspenden an

Die anatomischen Institute in Deutschland müssen die Bestattung von Körperspendern finanzieren. Das ist ein ziemlicher hoher Kostenfaktor, deshalb weisen viele Anatomie-Institute potenzielle Spender ab. Manche verlangen auch von den Körperspendern, einen Teil der Bestattungskosten zu übernehmen. Oder sie importieren Leichen oder deren Einzelteile aus den USA. Dort gibt es nämlich eine "Body-Broker-Industrie", die den Handel mit Körperspenden erlaubt und reguliert. 

​Köpfe sind besonders knapp

Friedrich Paulsen, Leiter der Anatomie an der Erlanger Universität, sagt, dass von den zur Verfügung stehenden Körperspenden pro Jahr 40 bis 50 für Weiterbildungskurse eingeplant werden. Wenn das nicht reicht, werden weitere Leichen oder einzelne Leichenteile in den USA bestellt. Besonders Köpfe seien knapp, weil viele Fachärzte damit arbeiten wollen. Dazu zählen Zahn-, Augen-, HNO-Ärzte,  plastische Chirurgen und Kieferorthopäden, sagt der Anatom Friedrich Paulsen.

Auch wenn die Vorstellung Handel mit Leichenteilen zu betreiben sehr makaber klingt, ist es im Sinne der Patienten: Die Ärzte können an totem Gewebe üben und damit Fehler bei richtigen Operationen vermeiden. Die Leichenteile werden anschließend eingeäschert oder in die USA zurückgeschickt.

"Wir haben uns dann auch an die Ethikkommission der Universität Regensburg gewandt, um das Ganze nochmal prüfen zu lassen. Die Firma hat einen Inspektor nach Regensburg geschickt, um die örtlichen Gegebenheiten zu prüfen. Und dann konnten wir eine Reihe von Kursen, zum Beispiel im Bereich der Gesichtsrekonstruktion, anbieten."
Holger Gassner, plastischer Chirurg

Der Handel mit Leichenteilen ist ein sensibles Thema, das sehr transparent sein muss, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz. Es müsse klar sein, woher die Leichen kommen und was damit gemacht wird.

Vor Kurzem haben sich mehrere Angehörige von Körperspendern in den USA zu Wort gemeldet, weil ihnen offenbar nicht klar war, dass die Körper der Verstorbenen in Einzelteilen ins Ausland geschickt werden. Allerdings stand genau das in den Verträgen, sodass die Familien keinen Widerspruch einlegen konnten. 

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