Cannabis für medizinische Zwecke ist in Deutschland zwar legal. Die Produktion kommt allerdings nicht in die Gänge. An den Bauern liegt es nicht.

Seit 2017 dürfen Ärzte auch in Deutschland Cannabisblüten und Cannabisextrakte für den medizinischen Gebrauch verschreiben. Im Jahr 2018 wurden rund 140.000 Rezepte ausgestellt. Grund ist die Lockerung des Betäubungsmittelgesetzes – seitdem wird medizinischer Cannabis von vielen deutschen Ärztinnen und Ärzten verschrieben.

Angebaut wird diese pflanzliche Medizin in Deutschland bisher allerdings nicht. Die Ernte, die auf dem Feld im Bild oben eingefahren wird, ist für die Verwendung als Nahrungsmittelergänzung bestimmt. Allerdings enthalten auch diese Blüten den Wirkstoff Cannabidiol. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Laura Habke hat sich den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland und den entstehenden Markt genauer angesehen.

Cannabisagentur: ja, Anbau: nein

Cannabis für den medizinischen Gebrauch wird aus den Niederlanden und Kanada importiert. In diesen Ländern gibt es staatliche Cannabisagenturen: Sie kontrollieren den Anbau, die Ernte und Qualität von Cannabisblüten. Cannabisblüten müssen beispielsweise frei von Pestiziden und Schimmel sein. Bei der Kontrolle medizinischer Standards geht es im Wesentlichen darum, die Wirkstoffkonzentration zu überwachen.

Eine Cannabisagentur gibt es in Deutschland bereits, beim Anbau hakt es aber noch. 2017 sollten Firmen mit dem Anbau von medizinischem Cannabis beauftragt werden. Über 100 Firmen bewarben sich, aber das Oberlandesgericht Düsseldorf stoppte die Ausschreibung wegen eines Formfehlers.

"Israel ist da ganz vorne dabei, möglicherweise auch Australien, vielleicht macht Uruguay nochmal einen neuen Anlauf, bis hin zu Jamaica, Griechenland, Portugal, Dänemark. Die werden alle als mögliche Lieferanten nach und nach aufschlagen."
Georg Wurth, Deutscher Hanfverband

Für die erneute Ausschreibung soll der Zuschlag im ersten Quartal 2019 erfolgen. Eine Liefermenge von jährlich 2,6 Tonnen ist für eine Dauer von vier Jahren ausgeschrieben, verschiedene Unternehmen sollen zum Zug kommen. Diese Menge hält Georg Wurth aber für zu gering.

"Wir haben schon 2018 deutlich mehr importiert, als diese 2,6 Tonnen, die für 2020 anvisiert werden. Bis dahin wird der Bedarf auch weiter steigen. Wir werden also zusätzliche Importe haben oder die Bundesregierung muss sehr schnell einen weiteren Anbau ausschreiben."
Georg Wurth, Deutscher Hanfverband

Das Gesamtpotential des deutschen Marktes schätzt der Hanflobbyist auf einen zweistelligen Millionenbetrag – allerdings im Vergleich mit den USA, wo der Konsum von Cannabis in manchen Bundesstaaten auch zu nicht-medizinischen Zwecken gestattet ist. In den Kanada und den USA belief sich der Umsatz mit Cannabis 2016 auf jährlich 6,7 Milliarden US-Dollar und das war noch vor der Legalisierung in Kanada. Beide Länder sind für den Großteil der Umsätze mit legalem Cannabis verantwortlich. Weltweit könnte der Umsatz nach einer Schätzung bis 2022 auf 31,3 Milliarden Dollar ansteigen.

"In den USA ist Cannabis der am schnellsten wachsende Wirtschaftszweig überhaupt. Wir sehen ein Land nach dem anderen, das Cannabis als Medizin legalisiert. Deutschland muss aufpassen, das nicht komplett zu verschlafen."
Georg Wurth, Deutscher Hanfverband

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