Bislang waren sie schwer zu beobachten, aber jetzt haben Forscher mit einem neuen Unterwasser-Mikroskop entdeckt, dass Korallenpolypen kämpfen und - jetzt wird's romantisch - knutschen.

Wissenschaftler der University of California in San Diego haben Steinkorallen untersucht, die die Grundlage der Korallenriffe bilden. Eine Koralle besteht aus tausenden einzelnen Korallenpolypen. Das sind millimeterkleine weiche Nesseltierchen, die aufgebaut sind wie ein Becher: In der Mitte befinden sich die Verdauungsorgane, der Becherrand sozusagen bildet die Mundöffnung. Um diese herum wachsen Tentakeln. Die Steinkoralle wächst, indem immer wieder neue Korallenpolypen auf den alten Skeletten entstehen.

Forscher filmt unter Wasser die Bewegung der Korallen
© Nature
Mit dem neu entwickelten Unterwasser-Mikroskop gelang es den Forschern, die geheime Welt der Korallen zu filmen.

Die Forscher haben im Roten Meer zwei konkurrierende Korallenarten nebeneinander gesetzt, die dann feine Fäden aus ihrem Verdauungsorgan rausgestülpt haben, die ätzende Enzyme freisetzen. Wenn dieser chemische Angriff dann den konkurrierenden Korallenpolypen getroffen hat, wurde dessen Körperwand sozusagen verdaut. Das zeigt, dass die Korallenpolypen sehr genau erkennen können, wer zu ihrer Art gehört und wer ein Konkurrent ist. Der chemische Angriff dient demnach der Verteidigung ihres Territoriums.

In einem weiteren Versuch haben die Forscher zwei Korallen derselben Art nebeneinander gesetzt. Die Polypen neigen dann ihre Öffnungen mit den Tentakeln einander zu - und zwar solange, bis die Mundöffnungen aufeinander liegen, als ob sie sich küssen. Die Forscher vermuten, dass sie so gegenseitig Nährstoffe und Ressourcen austauschen.

Der langsame Korallentod durch Bleiche

Bei einer weiteren Testreihe vor Hawaii haben die Forscher gefilmt, wie sich eine Korallenbleiche bildet. Dabei stößt eine gestresste Koralle zuerst Einzeller ab, die in Symbiose mit ihr leben. Danach siedeln sich Algen auf der Koralle an, vermutlich erst zwischen den Korallenpolypen. Wenn dann die Koralle durch die Algen geschwächt ist und die Bleiche einsetzt, gewinnen die Algen immer mehr die Oberhand bis sie die Koralle komplett überwuchern. Das ist dann der Tod der Koralle.

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