Neue Windräder sind oft umkämpft: Bringen sie die Energiewende voran oder gefährden sie die Tierwelt? Kann man parallel die Natur schützen und auf Ökostrom umstellen? Das Bundesamt für Naturschutz hat 40 Studien ausgewertet und jetzt einen Fahrplan vorgestellt, der Orientierung schaffen soll. 

Der Ausbau von Windrädern und Solaranlagen muss aus Sicht des Bundesamts für Naturschutz (BfN) künftig mehr Rücksicht auf den Schutz von Tieren, Pflanzen und Landschaften nehmen. Es sei wichtig, schon bei der Planung auf einen effizienten Umgang mit Flächen, aber auch die optische Auswirkung auf die Landschaft zu achten, heißt es im "Erneuerbare Energien Report".

Heute erzeugen wir 35 Prozent des Stroms durch erneuerbare Energien. Der Anteil soll 2030 schon bei 65 Prozent und 2050 bei 80 Prozent liegen. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Philip Banse sagt, dass wir darum mehr neue Windräder und Solaranlagen brauchen. Naturschützer würden einsehen, dass die Energiewende gut sei, aber kritisierten auch, dass Stromtrassen durch Wälder gehen und Vögel von Windrädern getötet werden. 

"Diese Stromtrassen werden natürlich auch irgendwo gebaut werden. Dafür werden viele Wiesen gebraucht und Bäume gefällt. Das gibt es eine Menge unangenehmer Nebenwirkungen."
Philip Banse, Deutschlandfunk Nova

Heute werden schon 11 Prozent der gesamten Fläche Deutschlands durch Windanlagen und Sonnenkraftwerke beeinflusst, etwa dadurch, dass Anlagen zu sehen oder zu hören sind. Die Autoren der Studie nennen diese Gegenden Energielandschaften. Das Bundesamt für Naturschutz schlägt fünf Maßnahmen vor, um die Natur zu schützen:

  • Strom sparen, denn wenn wir weniger Energie verbrauchen, müssen auch keine Windräder gebaut werden. 
  • Die Solaranlagen und Windräder, die noch gebaut werden müssen, dürfen nicht so viel Platz einnehmen.
  • Neue Anlagen sollen da gebaut werden, wo der Strom benötigt wird. Dann muss er nicht weitergeleitet werden.
  • Flächen für die Erneuerbaren sollen bundesweit zentral festgelegt werden.
  • Die Bürger müssen an der Planung und Umsetzung beteiligt werden. Dann gibt es vielleicht mehr Akzeptanz für die Anlagen.

Manche der Punkte seien wahrscheinlich recht einfach zu verwirklichen. Solaranlagen auf Dächern zu installieren werde leicht, aber Strom zu sparen, und die Bürgerbeteiligung umzusetzen, könnten sich als  schwieriger umzusetzende Punkte in diesem Plan herausstellen, sagt Philip Banse.

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