Die Proteste rund um den Hambacher Forst haben deutschlandweit Boykottaktionen gegen das Energieunternehmen RWE ausgelöst. Unser Energieexperte nennt das aber eher einen Nadelstich.

Die Wochen, in denen die Proteste am Hambacher Forst auf Hochtouren liefen und medial sehr stark begleitet wurden, haben bei vielen auch ein Gefühl der Ohnmacht ausgelöst. Gegen die großen Energieunternehmen, die scheinbar tun können, was sie wollen. Gegen diese gefühlte Ohnmacht gibt es aber Mittel – nämlich Protest. Und da gibt es unterschiedliche Ansätze. 

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Mehrere tausend Menschen sind über Wochen zum Hambacher Forst gekommen, um dort gegen den Braunkohleabbau zu protestieren. (Letztlich ja auch mit Erfolg.) Andere haben den Energieanbieter gewechselt. Im Internet wurde unter dem Hashtag #BoykottRWE vielfach dazu aufgerufen – und diesem Aufruf sind wohl auch viele gefolgt. Zwar gibt es von RWE direkt keine Zahlen zu Kündigungen, aber schaut man auf die Anmeldungen bei Ökostromanbietern, lässt sich sehen, dass hier Zuwächse um die 100 bis 200 Prozent zu verzeichnen sind. Ein anderes Indiz liefert eine aktuelle Umfrage von Greenpeace Energy.

"Mehr als 35 Prozent der Stromverbraucher denken wegen der Auseinandersetzung am Hambacher Forst darüber nach, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln."

Den Stromanbieter zu wechseln, ist auf jeden Fall ein Signal. "Ein Signal, das RWE im Moment noch weh tut", sagt Energieexperte Jürgen Döschner. Es sei aber eher als Nadelstich zu bewerten, da RWE langfristig plant, die Beziehungen zu Direktkunden, wie den jeweiligen Stadtwerken, an Eon zu verkaufen.    

Betrachtet man einen Wechsel – weg von RWE – unter dem Aspekt, dass der Energie-Riese teilweise auch den Kommunen gehört, könnte man diesen Schritt auch als Schuss ins eigene Bein bezeichnen. Weil dann nämlich vor der eigenen Haustüre Gelder fehlen, mit denen Schwimmbäder gebaut oder Schulen saniert werden. Dieses Geld könnte jenen Kommunen, die RWE-Aktien halten, bald fehlen, insbesondere, nachdem die Aktien zuletzt deutlich abgesackt sind. 

"Mit Dividenden aus RWE-Aktien werden Löcher der kommunalen Haushalte gestopft."
Jürgen Döschner, ARD-Energieexperte

In diesem Zusammenhang weist Energieexperte Jürgen Döschner aber noch einmal darauf hin, dass der Niedergang von RWE nicht ausschließlich auf den Hambacher Forst zurückzuführen ist, sondern schon viel früher begonnen hat. Mit Fukushima nämlich, als in Folge der Atom-Katastrophe der schrittweise Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland beschlossen wurde. Damals wurde deutlich, dass die großen Energieunternehmen die Energiewende schlicht verpennt haben, so Döschner. 

RWE-Aktienbesitzer können Vorstand Fragen stellen

Als wirkungsvollste Form des Protests empfiehlt der Energieexperte uns Verbrauchern etwas, das zunächst paradox erscheint:  

"Kauft RWE-Aktien!"
Jürgen Döschner, ARD-Energieexperte

Im Moment kosten RWE-Aktien nicht besonders viel – etwa 18 Euro – und es reiche vollkommen aus, so Döschner, eine Aktie zu besitzen, um auf der nächsten Hauptversammlung aufzutreten und dem Vorstand Fragen zu stellen. Diese Form des Protests hätten in der Vergangenheit schon viele Atomkraftgegner genutzt und er könne sich vorstellen, dass dieses Recht in Zukunft auch viele Braunkohlegegner nutzen, um dem Vorstand ihre Zweifel an der Politik des Unternehmens zu übermitteln. 

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