Die Nordseeinsel Borkum soll ab Ende 2018 zu 100 Prozent mit regenerativer Energie versorgt werden. Bis 2030 will die Insel komplett klimaneutral sein.

Die 300.000 Urlaubsgäste im Jahr bekommen es vielleicht nicht so mit, die 5300 Inselbewohner Borkums hingegen sehr: "Der Klimawandel trifft uns unmittelbar", sagt der Leiter der Stadtwerke Borkum, Axel Held. 

Er bezeichnet das Jahr 2013 als Wendepunkt, was die Sensibilität für den Klimaschutz angeht, denn im Oktober wütete Sturmtief Christian über der Insel mit Windgeschwindigkeiten um die 200 Stundenkilometer. 

"Das war auch ein Zeichen: Das ist jetzt Klimawandel, das ist jetzt was besonderes."
Axel Held, Stadtwerke Borkum

In der Folge ließen sich die meisten Borkumer davon überzeugen, dass alle aktiv etwas gegen den Klimawandel tun müssen. "Schließlich gefährden Stürme und steigender Meeresspiegel die Lebensgrundlagen der Insulaner", so Axel Held.

Borkums Ziel: 2030 klimaneutral sein

Um den Klimaschutz voranzubringen setzt Borkum auf drei Bereiche: Hausstrom, Mobilität und Wärmeversorgung. Ziel ist es, bis 2030 komplett klimaneutral zu sein. Dazu laufen fünf Klimaschutz-Projekte auf der Insel. 

Unter anderem werden auf Borkum unterschiedliche Speichermethoden für regenerative Energien getestet. Dafür gibt es Fördergelder der EU. Gelöst werden soll die Frage, wie sich Ökostrom am besten speichern lässt. Olaf Look betreut die Testphase. Er hat auf der Insel 40 kleine Energiespeicher-Häuschen verteilt und sie jeweils mit einer Vier-Kilowatt-Peak-Solaranlage und einem Fünf-Kilowatt-Batteriespeicher ausgerüstet.

"Alle Energiespeicher sind miteinander verbunden, sodass sie ein großes virtuelles Kraftwerk darstellen."
Olaf Look, Bereichsleiter Netzbetrieb Strom & Wasser der Stadtwerke Borkum

So ein virtuelles Kraftwerk ist eine digitale Plattform, die weiß, wie viel Energie in welchem Speicher steckt. Es steuert die Straßenbeleuchtung auf Borkum oder versorgt Betriebe, die gerade keine Energie mehr haben, weil zum Beispiel die Sonne nicht scheint. 

Auf Borkum werden aber auch andere Speichermethoden getestet. Zum Beispiel sind auch Batterien im Einsatz, die aus alten Autos entnommen wurden - Second-Life-Batteries. Außerdem gibt es noch Wasserstoffspeicher, wo über solare Energie Wasserstoff hergestellt wird - woraus letztlich Strom gewonnen wird. 

Testphase mit positiver Bilanz

Die Bilanz zum Ende des Jahre 2018 fällt positiv aus. Die Borkumer haben der EU einen Bericht geschickt, in dem sie darlegen, dass die Methode der unterschiedlichen dezentralen Speicher gut funktioniert hat.

Allen Beteiligten ist klar: Die Insel Borkum ist natürlich ein Spezialfall, weil sie so klein ist. Viele Insulaner brauchen beispielsweise gar kein Auto - der öffentliche Fuhrpark soll in ein paar Jahren komplett elektrisch betrieben sein und auch ein E-Carsharingsystem steht in den Startlöchern. 

Ob die auf Borkum getesteten Systeme auch in großen Städten oder ganzen Regionen funktionieren, bleibt fraglich. Aber das Klimaschutz-Testlabor auf Borkum liefert wertvolle Erkenntnisse. 

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