Norwegen will ein CO2 Endlager für halb Europa. Das Kohlenstoffdioxid soll dahin, wo früher Öl und Gas gefördert wurden: Unter die Nordsee. Mit Blick auf seine Klimaziele dürfte Deutschland daran sehr interessiert sein. Für Norwegen ist es ein Milliardengeschäft.

Was die Norweger planen, könnte für Deutschland sehr interessant sein - und auch für andere europäische Länder. Norwegen will dort, wo es 50 Jahre lang Kohlenstoff in Form von Öl und Gas gefördert hat, nämlich unter dem Meer in der Nordsee, ein Endlager für CO2 errichten. Der Platz ist da - und der Bedarf, das klimaschädliche Treibhausgas loszuwerden, auch. 

Norwegen hofft auf Milliardengeschäft

Deutschland wird seine Klimaziele bis 2020 aller Voraussicht nach nicht erreichen. Noch spricht keiner offen über die Option, CO2 nach Norwegen zu exportieren, aber einen Gedanken ist es wert. Auch wenn es teuer werden könnte, denn die Norweger hoffen, damit Hunderte Milliarden Euro einzunehmen. 

Die Norweger haben der Idee eine sympathische Überschrift gegeben; sie nennen es "Polarlicht Projekt". Die CO2-Endlagerung vollzieht sich in mehreren Schritten. 

  1. CO2 aus den Schornsteinen der Industriebetriebe und Müllverbrennungsanlagen abfangen, komprimieren und verflüssigen.
  2. Das flüssige Treibhausgas per Pipeline oder Schiff in Gasverteilzentren transportieren.
  3. Das CO2 in erschöpfte Erdgas-Lagerstätten und den Boden der Nordsee pressen. 

Aus finanzieller Sicht ist es für Norwegen eine Win-Win-Situation. Die Infrastruktur, die sie jahrelang zur Öl- und Gasförderung errichtet und genutzt haben, können sie jetzt nämlich als CO2 Endlager weiter nutzen.

"Über Hundert Bohr- und Förder-Plattformen, Tausende Kilometer Pipelines, Raffinerien und Verteilzentren sind auf dem Meer und an der Küste entstanden."
Dirk Asendorf, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Dass der Plan klappen kann, hat Norwegen an einem Beispiel gezeigt: An der größten Zementfabrik und der größten Müllverbrennungsanlage des Landes sollen pro Jahr jeweils 400 Tonnen CO2 unschädlich gemacht werden. Die Zementindustrie ist weltweit für rund fünf Prozent aller Treibhausgase verantwortlich, das entspricht den Emissionen des gesamten Flugverkehrs. Mit einer kleinen Versuchsanlage konnte gezeigt werden, dass es technisch möglich ist, einen Großteil des Treibhausgases abzufangen. 

CO2 Endlager erhält in Norwegen Zustimmung auf allen Ebenen

Für das CO2 Endlager herrscht Zustimmung auf allen Ebenen. Sowohl alle politischen Parteien als auch Umweltverbände und Klimaschützer wie Greenpeace befürworten dieses Projekt. Norwegens Öl- und Energieminister Terje Søviknes sieht nur Vorteile: 

"Wir haben die Offshore-Kompetenz, Norwegens Service- und Zulieferindustrie ist weltklasse und wir haben schon seit über 20 Jahren Erfahrung mit der CO2-Speicherung."
Terje Søviknes, Norwegens Öl- und Energieminister

Terje Søviknes fügt auf die Frage hinzu, was ist, wenn es doch mal ein Leck gäbe, dass das ja für niemanden gefährlich wäre. Letztlich würde dann ja nur das CO2 in die Luft gelangen, die sonst ohnehin dort gelandet wäre. 

In Deutschland war vor rund zehn Jahren auch über CO2 Endlagerstätten nachgedacht worden. Dazu gab es aber massive Proteste. Die Bundesregierung hatte nämlich den Plan, das Kohlenstoffdioxid unter ganz normalen Wohnhäusern zu speichern. Und dabei würde - so Dirk Asendorpf - die Gefahr bestehen, dass Menschenleben gefährdet würden. CO2 sei zwar ungiftig, wenn aber zu viel davon in die Luft gerate, ersticke man.

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