In Computerspielen oder Apps können wir mit einer künstlichen Intelligenz eine Beziehung führen. Auch eine Liebesbeziehung ist möglich. Ein internationales Team aus Forschenden hat untersucht, was es braucht, damit wir diese romantische Beziehung als so echt empfinden wie die zu einem Menschen.

Filme wie "Her" und "Ich bin dein Mensch" beschäftigen sich mit der Frage, wie eine romantische Beziehung zwischen einem Menschen und einer künstlichen Intelligenz (KI) aussehen könnte. In "Her" verliebt sich Protagonist Theodore in das Betriebssystem Samantha. In "Ich bin dein Mensch" soll Hauptfigur Alma mit dem humanoiden Roboter Tom zeitweise zusammenleben und testen, ob er der ideale Lebenspartner für sie sein könnte.

Apps wie Replika bringen Beziehungen zwischen Menschen und Computern auch in das echte Leben. In der App können sich User*innen mit einem Avatar unterhalten und mit ihnen virtuell zusammen sein.

Verliebt in eine KI

Dass wir uns in eine KI, einen Avatar, einen Roboter oder Ähnliches verlieben, ist möglich. Das liegt daran, dass unser Gehirn versucht, allem eine Persönlichkeit zu geben, erklärt Neurowissenschaftler Henning Beck. Das kann ein Stofftier, ein Auto oder eben eine Figur aus einem Computerspiel sein. "Wir versuchen immer einen individuellen Bezug zu unserer Umgebung herzustellen." Das heißt: Menschen vermenschlichen quasi alles um sie herum.

"Wir versuchen immer einen individuellen Bezug zu der Umgebung von uns herzustellen. Das Gehirn macht nichts anderes, als Dingen eine Persönlichkeit zu geben."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Authentische Liebe

Ein Team aus Forschenden der Universität Hiroshima und der Universität Edinburgh hat in einer Studie untersucht, welchen Einfluss solche Beziehungen auf uns haben können. Sie wollten etwa herausfinden, wie intensiv sich der Austausch mit einem Computer für uns anfühlen kann und inwiefern eine solche Beziehung als authentisch wahrgenommen wird. Dafür haben die Forschenden Videospiele analysiert, in denen es darum geht, Liebesbeziehungen zu Avataren oder Chatbots aufzubauen.

Laut den Forschenden war es für die romantische Beziehung entscheidend, dass die KI den Spieler*innen eine gewisse Exklusivität vermittelt hat. Ist die Software individuell auf sie eingegangen, hatten die Menschen das Gefühl, ihre Beziehung wäre einzigartig und authentisch. Das hat ihre Beziehung zu der KI vertieft. Wenn "ich das Gefühl habe, ich bin die einzige Person, mit der dieses Programm kommuniziert, kann ich nämlich erst anfangen, überhaupt zu lieben", erklärt der Neurowissenschaftler.

Wussten die Gamer*innen hingegen, dass ihr Avatar noch mit anderen Menschen im Austausch ist, fiel die Illusion der Einzigartigkeit weg und den Spielenden fiel es schwer, eine romantische Beziehung zu ihnen aufzubauen.

"Wenn Programme eine Einzigartigkeit vorgegaukelt haben, hatten die Menschen das Gefühl, es könnte eine romantische Liebelei werden."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Die Studie zeigte zudem, dass die Intensität der romantischen Beziehung zu einem Chatbot wenig darüber aussagt, ob wir ähnlich gut eine Liebesbeziehung zu einem anderen Menschen aufbauen können.

  • Moderator:  Thilo Jahn
  • Gesprächspartner:  Henning Beck, Neurowissenschaftler