Die einen sagen, die Sache mit der Filterblase ist gar nicht so schlimm. Andere sagen, es wird immer schlimmer: Twitter, Facebook, Google – alle liefern uns nur noch Treffer, die nach unseren Interessen und Meinungen gefiltert sind.

Suchmaschinen, allen voran natürlich Google, arbeiten seit Jahren daran, uns personalisierte Suchergebnisse zu liefern. Das soll die Qualität der Treffer verbessern. Meint der User mit dem Suchbegriff "Golf" jetzt das Auto, den Rasensport oder die Band? Wenn Google weiß, dass ihr Ausschau nach einem neuen Auto hältst, dann bekommt ihr halt dafür die vorsortierten Treffer.

"Wenn Google dich durch die Seiten, auf denen du dich rumreibst, als politisch konservativ einschätzt, bekommst du bei der Suche nach Zuwanderung oder Euro eher Treffer, die du gern liest, weil sie dein Weltbild bestätigen."
Diane Hielscher, Moderatorin

Das ist die Befürchtung, die prinzipiell von der Arbeitsweise des Google-Algorithmus nicht auszuschließen ist. Jetzt sagt aber eine Studie von Wissenschaftlern dreier Universitäten: Das Problem mit dieser Suchtreffer-Filterblase existiert nicht wirklich. Dazu muss man allerdings anmerken, dass diese Studie von Google in Auftrag gegeben und bezahlt worden ist.

Die Forscher haben 14000 Leute in sieben Ländern danach befragt, wie sie das Internet und andere Medien nutzen, woher sie News beziehen und gegebenenfalls überprüfen und welche Quellen sie da vertrauenswürdig finden. Interessant ist, dass es nationale Unterschiede gibt. 

"Die Italiener setzen stark auf Suchmaschinen, die Franzosen und wir Deutsche nehmen als Basis erst mal klassische Medien in Print und im Netz, die Engländer vertrauen dem Rundfunk."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

In dieser Auswahl spiegelt sich natürlich auch die Medienlandschaft wieder. Alles in allem verlassen die User sich nicht blind auf eine Vorauswahl von News, sondern checken Sachen nach, sagt die Studie.

"Ich bin skeptisch, was das Nachchecken betrifft, und ich würde ein Filterblasen-Problem nicht durch Suchergebnisse vermuten, sondern eher durch die Timelines bei Facebook und Twitter."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova Netzreporter

Sogar Facebook-Chef Mark Zuckerberg sieht hier eine mögliche Gefahr und hat ein neues Rezept, gegenzusteuern. Ab sofort soll es die Möglichkeit geben, nicht nur Leuten, Medien oder Parteien zu folgen, sondern auch Themen – zum Beispiel "Gesundheitspolitik" oder "Flüchtlinge". Und dann würde der User eben in der Timeline ein breites Spektrum mit News bekommen, nicht nur welche aus einer bevorzugten Ecke. Das müsste er  aber auch so wollen und einrichten.

Die Süddeutsche Zeitung hat gerade einen Check der Like-Vernetzung von Followern der politischen Parteien in Deutschland gemacht hat und ist zu dem Ergebnis gekommen – die Leute stecken gar nicht in einer so engen Blase, die liken auch politisch weiter Entferntes.