Schimpansen sind manchmal altruistisch und sozial: Freddi zum Beispiel. Das Schimpansen-Männchen adoptiert ein Schimpansen-Baby, dessen Mutter gestorben ist. Das alles können Forscher wie Tobias Deschner nur erleben, weil sie die Affen monatelang begleiten.

Menschenrechte für Affen - das ist noch keine konkrete Forderung des Menschenaffen-Forschers Tobias Deschner. Doch er denkt darüber nach, ob sie vielleicht nötig wird. Denn seit Jahrzehnten würden sich die Menschen für die Rechte der Tiere einsetzen - und doch nehmen die Bestände etwa von Schimpansen weiter ab. "Vielleicht reicht das einfach nicht aus", sagt Deschner. Vielleicht müssten Menschenaffen als Menschen angesehen werden mit menschenähnlichen Bedürfnissen. "Es wäre einen Versuch wert."

Tobias Deschner vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig mag Schimpansen. Was auch daran liegt, dass er viele Monate mit ihnen zusammengelebt hat. Zum einen muss er da sein, damit sich die Tiere an ihn gewöhnen. Zum anderen will er deren Verhalten beobachten, sie erforschen.

Menschenaffenforscher Tobias Deschner
© Max-Planck-Institut
Tobias Deschner, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
"Habe gedacht, ich habe schon alles gesehen."
Tobias Deschner

Irgendwann wusste Tobias Deschner: Er hat doch noch nicht alles gesehen. Denn er erlebte hautnah, wie ein Schimpansen-Männchen ein Affenbaby adoptiert, das seine Mutter verloren hatte. Ein beeindruckendes Erlebnis für Deschner.

Für das Männchen war die Adoption keine leichte Aufgabe, es konnte dem Baby schließlich keine Muttermilch geben. Es sammelte also für sich und für den adoptierten Affen Nahrung - und wehrte sich gegen Angriffe aus der Gruppe. Das Männchen hatte wegen der Adoption einen schlechteren Stand als vorher.

Warum manche Schimpansen Artgenossen adoptieren und andere nicht, ist noch nicht ganz klar. Deschner vermutet eine ähnliche Motivation wie bei Menschen: Altruismus, einfach jemand anderem helfen wollen.