Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sorgt für eine fette Kontroverse: Sie will sich in Zukunft dafür einsetzen, dass Prostitution legalisiert wird.

Wenn zwei erwachsene Menschen einvernehmlich und ohne Gewalt oder Bedrohung miteinander Sex haben, dann geht das den Staat nichts an - auch dann nicht, wenn dafür Geld gezahlt wird. Prostitution sollte also legalisiert werden, sagt Amnesty International in einer neuen Leitlinie. Ein Verbot bedeute nur unnötiges Leid für all diejenigen, die in der Sexindustrie arbeiten und mit Vorurteilen und Angriffen aus der Gesellschaft oder seitens der Polizei zu kämpfen haben.

"Amnesty fordert in dem neuen Beschluss, dass es sowohl legal ist, Sex zu verkaufen als auch Sex zu kaufen. Weder Prostituierte noch die Kunden sollten kriminalisiert werden."
Ann-Kathrin Horn, DRadio-Wissen-Nachrichtenredaktion

Eine Petition fordert bereits, dass die Menschenrechtsorganisation die neue Leitlinie wieder zurücknimmt. Die Unterzeichner - darunter prominente US-Schauspielerinnen wie Lena Dunham oder Kate Winslet - sagen: Die Strategie, alles zu legalisieren - also auch das Kaufen von Sex und Zuhälterei - schade Frauen. Auch das Kriterium der Freiwilligkeit sei schwierig, da viele Frauen nur deshalb in der Prostitution landeten, weil sie arm sind, obdachlos oder schon einmal sexuell missbraucht wurden.

Amnesty hat lange mit sich gerungen

Amnesty International hat für die neue Position in Sachen Prostitution zwei Jahre lang beraten und Studien ausgewertet und entgegnet den Kritikern: Man wolle weiterhin, dass Staaten alles unternehmen gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution oder Ausbeutung. Aber in Ländern, in denen Prostituierte illegal arbeiten, würden sie oft sehr schlecht behandelt vom Staat oder der Polizei, das Geschäft rutsche in den Untergrund und werde noch härter und unüberwachter. Eine Legalisierung könnte die Situation vieler Prostitutierter nach Ansicht von Amnesty also verbessern.