In Indien bleiben viele Mädchen während ihrer Menstruation zu Hause und gehen nicht in die Schule. Sie gelten als unrein, werden in vielen Bereichen ausgegrenzt und auf vielen Ebenen diskriminiert. In Schulen gibt es aber Workshops, die aufklären wollen.

Während wir in Deutschland inzwischen offen über unsere Periode reden können, ist es in Indien nach wie vor ein Tabuthema. Frauen und Mädchen werden während ihrer Menstruation diskriminiert - auf mehreren Ebenen. Sie gelten als unrein.

Mädchen werden ausgegrenzt

Die Schülerin Tannu erzählt, dass sie nicht in die Küche gehen und kein Gemüse anfassen darf, wenn sie ihre Periode hat. Ihre Mitschülerin Rehmat erzählt, dass sie in dieser Zeit weder den Koran lesen noch in die Moschee gehen darf. Und Muskan darf nicht zusammen mit ihrem Vater oder ihren Brüdern an einem Tisch sitzen. Das sei Tradition, sagt sie.

"Wir sollen uns dafür schämen, dass wir bluten."
Muskan, indische Schülerin

Damit sich Mädchen nicht schämen, wenn sie ihre Periode bekommen, organisiert eine NGO in Indien sogenannte Sensibilisierungs-Workshops in Schulen. Dazu sind nicht nur die Mädchen, sondern auch die Jungen aus den neunten bis zwölften Klassen eingeladen.

Namita Bhura leitet die sogenannten "Menstruation Awareness Workshops". Vor den Schülern und Schülerinnen rollt sie ein lebensgroßes Plakat mit den weiblichen Geschlechtsorganen aus und erklärt, dass die Menstruation ein natürlicher biologischer Prozess ist.

"Wir wollen den Schülerinnen und Schülern klar machen, dass das, was ihre Eltern über Menstruation zu wissen glauben, veraltet ist."
Namita Bhura, NGO, die Menstruation Awareness Workshops an indischen Schulen organisiert

Von ihren Eltern bekommen die Mädchen vermittelt, dass Menstruation etwas Schmutziges oder Ekliges ist. Das müsse dauerhaft aus den Köpfen raus, so Namita Bhura. In ihren Workshops lässt sie Mädchen, wie auch Jungen ausrechnen, wie viele fruchtbare Tage eine Frau pro Monat hat, oder fragt sie, ob eine Frau fünf Tage nach der Periode schwanger werden kann. Sie beklagt, dass die junge Generation nur wenig über das Thema weiß.

Indische Mädchen gehen während ihrer Periode nicht in die Schule

Das Kinderhilfswerk Unicef schätzt, dass in manchen Landstrichen Indiens bis zu 70 Prozent der Mädchen während ihrer Periode nicht in die Schule gehen. Dadurch verpassen sie viele Wochen Unterricht im Jahr. Andere Hilfsorganisationen haben herausgefunden, dass fast jedes vierte Mädchen mit dem Eintreten der Periode die Schule ganz abbricht.

Das hat mehrere Gründe: Die meisten Familien können sich Binden schlicht nicht leisten, greifen stattdessen zu Stofflumpen oder Sand. Aus Angst, mit Blutflecken auf der Hose gesehen zu werden, bleiben die Mädchen zu Hause. Und weil die Periode ein Tabu ist, tauschen sich Frauen oft untereinander nicht aus, sagt Namita Bhura.

"In den ländlichen Regionen müssen Frauen sogar in Hütten außerhalb der Dorfgemeinschaft bleiben, wenn sie ihre Tage haben, weil sie als unrein gelten. Sie sind dort ganz allein - und vollkommen schutzlos."
Namita Bhura, NGO, die Menstruation Awareness Workshops an indischen Schulen organisiert

Namita Bhura hofft, dass sie dazu beitragen kann, dass sich die Tabus in Indien in Verbindung mit Menstruation sowie die damit verbundene Diskriminierung von Frauen und Mädchen Stück für Stück auflösen. Es ist ein langfristiges Ziel - das weiß sie.

Bei den Schülerinnen Tannu, Rehmat und Muskan hat sie aber schon etwas bewirkt. Sie haben gelernt, dass es OK ist über Menstruation zu reden, die Freundin nach einer Binde zu fragen oder dass es eben nicht ok ist, wenn man wegen der Periode nicht in die Moschee gehen darf.