Manche erleben gerade Corona, Krieg und Klimakrise als belastend – hinzukommen die eigenen Belastungen. Offen zu sagen, ich kann nicht mehr, fällt oft schwer. Der Grünen-Abgeordnete Bruno Hönel hat diesen Schritt gewagt und öffentlich gesagt, dass er sich erschöpft fühlt. Wie wichtig es ist, mit vertrauten Menschen darüber zu sprechen, dass es einem schlecht geht, erklärt der Psychotherapeut Björn Süfke.

Im Februar, als die Wahl zum Bundespräsidenten anstand, hat Bruno Hönel auf seinem Instagram-Account gepostet, dass er sich körperlich und mental so erschöpft fühle, dass er sich für eine Zeit zurückziehen müsse. Eine depressive Episode hat den frisch in den Bundestag gewählten Abgeordneten veranlasst, sich krankschreiben zu lassen.

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"Das war natürlich auch schwierig, weil man, wenn man das erste Mal im Bundestag ist, sich schon denkt: Ja, Bundespräsidentenwahl, da will man eigentlich nicht fehlen."
Bruno Hönel, Bundestagsabgeordneter Bündnis 90 / Die Grünen

Öffentlich zu machen, dass er sich wegen einer depressiven Episode krankmeldet, sei ihm nicht schwergefallen. Nach dem Abitur musste er wegen einer schweren Depression im Krankenhaus behandelt werden. Seitdem kennt Bruno Hönel die Warnsignale und hat in einer Therapie gelernt, damit umzugehen. Offen über die Depression mit Freunden zu sprechen, habe er schon damals und dann auch später während seines Studiums gemacht.

"Ich habe mich tatsächlich sogar regelrecht verpflichtet gefühlt, das auch offen zu machen."
Bruno Hönel, Bundestagsabgeordneter Bündnis 90 / Die Grünen

Er hat erlebt, wie es Menschen, die große Existenzängste und psychische Erkrankungen haben, ergeht, und dass sie Hilfe und Unterstützung vom Sozialstaat und dem Gesundheitssystem benötigen. Das sei für ihn die Motivation gewesen, in die Politik zu gehen. Jetzt sei es ihm wichtig zu zeigen, dass auch Politiker und Politikerinnen viel leisten, aber die Politik wenig Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse der Politiker*innen nimmt.

"Dieses Bild, dass auch Politiker*innen, wie alle anderen Menschen eben auch, mit sich selbst und ihrem Leben zu kämpfen haben, auch in der breiten Öffentlichkeit zu zeigen, das war mir wichtig."
Bruno Hönel, Bundestagsabgeordneter Bündnis 90 / Die Grünen

Die anderen Abgeordneten nimmt Bruno Hönel so wahr, dass sie sehr in dem Hamsterrad Politik leben und wenig auf die eigenen Ressouren achten. "Meine Überzeugung ist, dass dadurch nicht unbedingt eine bessere Politik herauskommt." Bruno Hönel glaubt, dass viele sich nicht mehr die Zeit nehmen, mit Familie und mit Freunden Zeit zu verbringen, um auch den Bezug zum realen Leben zu behalten.

Inzwischen hat sich Bruno Hönel erholt, es gehe ihm wieder gut, sodass er wieder Spaß an der Arbeit habe.

Erster Schritt: Die Last von der Seele reden

Psychotherapeut Björn Süfke sagt ganz klar, dass es für uns wichtig ist, mit Freunden und Familie unsere Sorgen und Probleme zu besprechen. Der Weg zum Psychotherapeuten wird aus seiner Sicht erst dann notwendig, wenn eben diese Gespräche im engen Umfeld nicht aus der Situation heraushelfen konnten.

"Dieses Gespräch mit Freunden und Familie erst einmal zu suchen, das ist natürlich elementar."
Björn Süfke, Psychotherapeut
Björn Süfke
© Björn Süfke

Manche Themen seien zwar schwierig selbst mit engen Freund*innen anzusprechen, aber diese erste emotionale Unterstützung sei sehr wichtig, vor allem da professionelle Hilfe in Form einer Psychotherapie nicht leicht oder schnell verfügbar ist. Oft gehe es im ersten Moment gar nicht darum, einen Expertenrat zu bekommen, sondern eher darum, dass einem zugehört werde.

Damit ein gutes Gespräch zustande komme, sollten wir uns mit einer Person unseres Vertrauens verabreden, um gemeinsam einen guten Zeitpunkt dafür zu finden.

Hilfe

Wenn du das Gefühl hast, dass du Unterstützung brauchst, kannst du dir auf dieser Seite ansehen, welche Angebote es gibt. Wir haben auf der Seite verschiedene Hilfsangebote zusammengestellt.


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