Taiwan, China, die USA – alle haben eins gemeinsam, sie sind der Europäischen Union voraus, was die Mikrochipproduktion angeht. Nun hat die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen verkündet, dass in die Mikrochipwirtschaft investiert werden soll. Wir sprechen mit Wirtschaft- und Politikexperten Nicolas Lieven darüber, warum diese Investition wichtig ist und was das für die Zukunft der EU bedeutet.

Die Europäische Union produziert aktuell nur zehn Prozent des eigenen Bedarfs an Mikrochips. Ursula von der Leyen hat nun einen Plan der EU vorgestellt, um einem Mikrochipmangel vorzubeugen.

"Die stecken einfach überall drin in Handys, Computern, Küchenmaschinen, Waschmaschinen und elektronischem Spielzeug. Beim Auto sind zum Beispiel gerne mal 1.200-1.400 Chips verbaut."
Nicolas Lieven, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Mikrochips rechnen, speichern Daten oder führen Prozesse aus. Sie funktionieren quasi wie ein kleiner An- und Ausschalter. Bis ein Mikrochip fertig produziert ist, braucht es etwa sechs Monate - unter anderem für das Design, die Fertigung, die Verdrahtung und die Herstellung des Gehäuses.

Europäischer Plan zur Produktion von Mikrochips

Mit dem European Chip Act hat die EU nun beschlossen, vierzig Milliarden Euro in die Mikrochipherstellung innerhalb der EU zu investieren. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, möchte damit bezwecken, sich kurzfristig unabhängiger zu machen von den aktuellen wichtigsten Produktionsstaaten wie Taiwan.

Aktuell produzieren in der EU große Konzerne wie Intel. Auch Unternehmen aus Taiwan sind interessiert an europäischen Standorten.

Wenn diese vierzig Milliarden investiert wurden, dauert es zwei bis drei Jahre bis zur Fertigstellung der Mikrochipproduktionsstätten.

"Wenn es da zu Konflikten kommt und zu Lieferengpässen, dann haben wir noch so drei bis vier Wochen Zeit, und dann stehen hier im Prinzip alle Bänder still."
Nicolas Lieven, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Wirtschaft hier setzt auf eine Just-In-Time-Produktion, bei der es wenig Lagerkapazitäten gibt. Daher ist der ständige Fluss an Mikrochips hierzulande maßgeblich für eine funktionierende Produktionskette.

Zukunft der europäischen Mikrochipproduktion

Durch die Investition will die EU den Eigenanteil von zehn Prozent der Mikrochips in der EU bis zum Jahr 2030 auf zwanzig Prozent steigern. Der Bedarf an Mikrochips in der EU wird sich in dieser Zeit aber womöglich verdoppelt haben.

"Unabhängig werden wir nicht, wir werden unabhängiger. Aber es ist für Jobs gut und es ist für das Know-how gut, wenn hier investiert wird."
Nicolas Lieven, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auch die USA und China investieren – China sogar 150 Milliarden. Außerdem besitzen Länder wie die USA, Taiwan oder Vietnam schon die nötigen Produktionsstätten und Chemikalien zur Herstellung. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nicolas Lieven vermutet, dass die EU den Global Playern auch trotz des European Microchip Act hinterherhinken wird.