Der Aufschrei ist groß, der DFB warnt: Die Kunstrasenplätze sind in Gefahr und damit der Jugendfußball in Deutschland. Eigentlich geht es aber nur ums Granulat, das auf die Kunstrasenplätze gestreut wird.

Die Europäische Chemikalienbehörde (ECHA) will bis Ende 2021 das Einstreu-Granulat verbieten, das auf Kunstrasenplätzen ausgebracht wird. Das Granulat sorgt zum Beispiel dafür, dass die Halme des Kunstrasens stabiler sind, so dass der Ball besser rollt, dass das Verletzungsrisiko sinkt, aber auch - je nach Granulat - dass der Kunstrasen vor UV-Strahlung geschützt wird und so länger hält.

Kunststoffgranulat als Gefahr für die Umwelt

Bislang besteht das Granulat aus Kunststoff, zum Beispiel von geschredderten Autoreifen. Es besteht der Verdacht, dass durch Abrieb, Wind und Mikropartikel in der Kleidung jede Menge Mikroplastik in die Umwelt gelangt. Der Aufschrei ist groß, die laut DFB 5000 Kunstrasenplätze in Deutschland seien in Gefahr. Ganz so ist es dann aber doch nicht.

Das Problem ist vor allem das Geld. Denn dort, wo bislang Kunststoffgranulat zum Einsatz gekommen ist, müsste das wieder abgesaugt und durch andere, umweltfreundlichere Granulate ersetzt werden. Und das ist teuer, sagt Claus Hamacher vom Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen dem WDR. Deshalb hoffe man auf Unterstützung von Bund oder Land. Auch die EU hat angekündigt, dass sie die gesellschaftlichen Auswirkungen mit berücksichtigen will.

"Wir rechnen pro Platz mit einer Größenordnung zwischen 80.000 und 120.000 Euro. Da hoffen wir dann auch auf finanzielle Unterstützung von Bund oder Land, damit tatsächlich dieser Austausch auch erfolgen kann."
Claus Hamacher vom Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen

Kunstrasenplätze: Granulat aus Kork als Alternative

Es gibt aber längst Alternativen zum Kunststoffgranulat. In Hamburg etwa setzt man nach Angaben der Innenbehörde schon seit Jahren auf Quarzsand. Eine andere Alternative ist Korkgranulat. Dafür hat sich das Städtchen Rees am Niederrhein entschieden. Dort werden fünf neue Kunstrasenplätze gebaut, einer ist bereits fast fertig. Bereits im Mai wurden die Kommunen in Deutschland über das geplante EU-Verbot von Kunststoffgranulat informiert. In Rees hat man entsprechend darauf reagiert. Dort wurden bereits große Mengen Korkgranulat bestellt, um vorzusorgen.

"Kork ist ein natürlicher Stoff. Der Nachteil ist da, dass der nicht unbegrenzt vorhanden ist. Da muss man ein bisschen darauf achten, dass es zu keinen Lieferengpässen kommt."
Jörn Franken, Stadtsprecher in Rees am Niederrhein

Kork hat allerdings zwei Nachteile: Der Naturstoff ist nicht unbegrenzt verfügbar. Und Kork von schlechter Qualität kann bei Regen aufquillen. Da darf man also nicht sparen. Ansonsten ist aber auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) großer Fan der Korkalternative. Korkeichen, aus deren Rinde Kork hergestellt wird, wachsen vor allem in Spanien und Portugal. Die Bäume werden alle 9 bis 12 Jahre abgerindet, und dann wächst das Ganze einfach wieder nach. Die Bäume nehmen keinen Schaden.