Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat einen Bericht zu Mikroplastik in unserem Trinkwasser veröffentlicht. Ergebnis: In den untersuchten Proben war es häufig vorhanden. Die winzigen Mengen sind für uns aber, Stand heute, nicht gefährlich. Trotzdem seien weitere Forschungen notwendig.

Wir können es nicht sehen, wir können es nicht schmecken, wir können es nicht riechen. Trotzdem ist es fast überall: Mikroplastik. Sogar in unseren Körpern haben Forschende die kleinen Teilchen gefunden. Dort kann es zum Beispiel über unser Trinkwasser landen.

Ein gerade veröffentlichter WHO-Bericht sagt jetzt: Auf Basis der vorliegenden, wenn auch noch lückenhaften Informationen scheint "Mikroplastik im Trinkwasser nach heutigem Stand kein Gesundheitsrisiko darzustellen". Die Aufnahme von Mikroplastik in den menschlichen Körper oberhalb einer Größe von 150 Mikrometern sei unwahrscheinlich. Wir müssen also nicht in Panik verfallen, sagt Matthis Dierkes von Deutschlandfunk Nova.

Große Unterschiede weltweit

Das Mikroplastik kann auf vielen Wegen ins Wasser kommen, etwa über das, was wir so an Putzmitteln, Shampoo und ähnlichen Produkten in die Kanalisation spülen und was dann in der Kläranlage landet. Die WHO hat um die 50 Studien untersucht – zu Mikroplastik im Trinkwasser, in Frischwasser-Quellen, im Abwasser. Beim Trinkwasser waren die Mikroplastik-Konzentrationen je nach Studie sehr unterschiedlich – von einigen wenigen bis hin zu tausenden Teilchen.

"Teilweise wurden pro Liter nur einzelne Mikroplastik-Teilchen gefunden, zum Beispiel in Deutschland. In anderen Ländern waren es manchmal auch tausende."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk Nova
Vorklärbecken des neu gebauten Klärwerks Emscher-Mündung in Dinslaken
© imago images | Rupert Oberhäuser
Das Klärwerk Emscher-Mündung in Dinslaken

In Deutschland unterliegt die Trinkwasserqualität strengen Kontrollen, sagt Matthis Dierkes. Es gibt sehr gute Kläranlagen (unser Bild oben zeigt das neu gebaute Klärwerk Emscher-Mündung in Dinslaken) und die WHO sagt, dass mit solchen modernen Anlagen mehr als 90 Prozent des Mikroplastiks aus dem Wasser gefiltert werden können (außerdem weitere gesundheitsschädliche Substanzen wie Chemikalien und mikrobielle Erreger). Ein bisschen Mikroplastik kann aber trotzdem immer noch im Wasser bleiben.

Weitere Forschung zu Mikroplastik im Körper ist nötig

Ob dieses Bisschen dann auch wirklich ungefährlich für uns ist, weiß hundertprozentig noch niemand, erklärt Matthis Dierkes. Weil die Wirkung von Mikroplastik auf unseren Körper noch nicht gut genug erforscht ist.

Man geht davon aus, dass wir die größeren Mikroplastik-Teilchen einfach wieder ausscheiden. Bei den allerkleinsten ist das aber eben noch nicht so sicher. Diese könnten möglicherweise auch in unseren Organen landen. Es gab zum Beispiel Versuche mit Mäusen und Ratten, bei denen herauskam, dass Mikroplastik Entzündungen in der Leber mitverursachen kann. Die Tiere waren in diesen Studien allerdings auch Mikroplastik-Konzentrationen ausgesetzt, die wir Menschen mit unserem Trinkwasser lange nicht aufnehmen.

Grundsätzlich weniger Plastik verbrauchen

Die WHO fordert weitere Forschung zu den Gesundheitseffekten von Mikroplastik in unserem Körper, sowie Maßnahmen zur zusätzlichen Filterung des Abwassers. Außerdem müsse weltweit dafür gesorgt werden, dass überhaupt weniger Plastik verbraucht wird.

Dr. Dieter Fischer vom Leibniz-Institut für Polymerforschung in Dresden stimmt dem zu: "Der wichtigste Ansatz sollte sein, Strategien zu einer Reduzierung des Kunststoffverbrauchs (Verpackungen, Reifenabrieb) und zum Sammeln von Kunststoff/Plastik nach seinem Gebrauch einschließlich Pfandsystemen/Recycling zur Wiederverwertung zu entwickeln, damit so wenig wie möglich Kunststoff/Makroplastik in die Umwelt gelangt. Denn anschließend entsteht daraus Mikroplastik."