Der Milchpreis ist im Keller - und Landwirte in der Krise. Gerade für Bauern mit konventionellen Höfen ist es schwer, mit ihrer Arbeit noch Geld zu verdienen. Wir haben einen Tag zusammen mit Bauer und Kühen verbracht.

Georg Kistler hat zwei Jobs. Der Bauer steht morgens um 4:40 Uhr auf, um 5:00 Uhr ist er im Stall bei seinen Kühen. Circa zwei Stunden lang. Danach geht er duschen, trinkt einen Kaffee und fährt weiter zu Job Nummer zwei. Ein Beraterjob. Damit kommt er über die Runden. In seinen Hof hat der Milchbauer viel Geld investiert. Mit den Erträgen aus dem Milchverkauf kann er die Kredite nicht abbezahlen.

"Zehntausend Euro pro Stallplatz, so rechnet man in der Landwirtschaft, macht bei Georgs Größe insgesamt eine knappe Million."
DRadio-Wissen-Autorin Elli Veh über die Finanzlage von Milchbauern

Bei Georg Kistler sind die Kühe nicht mehr angeleint, wie früher als seine Eltern den Hof führten. Anstatt auf einem Gummiboden zu stehen, können sie es sich jetzt auf Stroh bequem machen, bekommen Globuli, um Antibiotika zu vermeiden, und oben drauf gibt es sogar ein speziell abgestimmtes Lichtprogramm. Alles für die gute Milch. Denn darum geht es ja. Das Herzstück im Stall ist der Melkroboter. Eine Schrank-große, rote Maschine, mit Ein- und Ausgang für die Kühe - Tag und Nacht im Einsatz. Und die Tiere kommen freiwillig.

"Der Roboter weiß, ob Melkanrecht besteht, unter 8 Liter an Bord wird nicht gemolken. Erst nachdem die Zitzen gereinigt sind, kommt die Milch in den Milchtank. Gleichzeitig wird die Kuh mit Kraftfutter gefüttert."
Bauer Georg Kistler über das Melken der Kühe

Die Kühe des 34 Jahre alten Landwirts haben alle Namen. Gerade erst heute Nacht sind zwei neue hinzugekommen. Die kleinen Kälbchen füttert er zuerst, wenn er morgens den Stall betritt. Die Kälber sind bares Geld für ihn. Etwa jeden dritten Tag wird eins in seinem Stall geboren. Damit das alles glatt läuft, hat er einen Eigenbestandsbesamerkurs gemacht. Das bedeutet, zu seinem Job gehört es auch, morgens einen sehr sehr langen Handschuh anzuziehen und seine Hand tief in die Scheide der Kuh zu stecken.

"Hab bloß kontrolliert, ob Brunft da ist. Hab Brunstschleim gesucht, der da in der Regel immer dabei ist."
Bauer Georg Kistler über das Prozedere der Eigenbesamung

Wenn Bauer Georg den Brunftschleim findet, kann die Kuh besamt werden. Den Bullensamen dafür hat er vorrätig, in einem Behälter mit flüssigem Stickstoff. Circa 200 Besamungen macht er im Jahr. Denn nur Kühe, die kalben, geben auch Milch. Für Privatleben bleibt dem Bauern nicht viel Zeit. Mit seiner Frau telefoniert er oft, sagt er. Sie übernimmt nachmittags die Arbeit im Stall - er ist als Berater unterwegs. Pünktlich um die Kinder ins Bett zu bringen, kommt er abends nach Hause. Viel Geld verdient er nicht. Aber bereut hat Georg Kistler sein Leben noch nie.

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