...meint Bio-Bauer Ben zur aktuellen Krise der Milchwirtschaft. Ihn haben wir befragt, nachdem Bauer Henk bei uns im Programm gesagt hatte: "Die Kuh hat ein richtiges Luxusleben". Von Euch hagelte es Kritik nach diesem Interview.

Aus Sicht von Ökobauer Ben kann die Frage nach den Bedingungen, unter denen Kühe in der konventionellen Milchwirtschaft leben, so allgemein gar nicht beantwortet werden. Denn die Bandbreite bei konventionellen Milchwirtschaften reicht vom kleinen Hof in Bayern mit Kühen auf der Weide bis hin zu riesigen Betrieben mit bis zu 2000 Tieren in Ostdeutschland. Und beide Höfe produzieren dabei nach konventionellen Methoden ihre Milch. Eine Vergleichbarkeit der Milchproduktion dieser beiden Hofmodelle ist also alleine schon aufgrund der Größe schwierig.

Bei der Produktion folgten der kleine wie auch der große Betrieb Vorgaben der Milchindustrie. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass in riesigen Ställen mit sehr vielen Kühen andere Aspekte des Tierschutzes befolgt werden können, als beim kleinen Vergleichsbetrieb in Bayern, so Ökobauer Ben.

"Ich will nur bio."
Benjamin Paries, Biobauer

Für Benjamin Paries selbst kommt nur die biologische Milchproduktion infrage. Während seiner Ausbildung hat er beide Methoden kennengelernt und für ihn ist klar, dass ihm die Arbeit in der Bioproduktion viel mehr Spaß macht. Weil man mehr mit den Tieren arbeite. Weil die Tiere auf die Weide gingen. Und weil die Tiere einfach ein besseres Leben hätten und gesünder seien. Deswegen ist er im Schwarzwald gerade auf der Suche nach einem geeigneten Biohof, um möglichst bald mit der eigenen Milchproduktion nach Biorichtlinien starten zu können.

Aktuell ist oft zu hören, dass konventionell wirtschaftende Bauern auf Bioherstellung umstellen wollen. Denn ein Biobauer erzielt derzeit fast den doppelten Preis für einen Liter Milch. Allerdings hat ein Biobauer auch deutlich mehr Arbeit, bis ein Liter Biomilch produziert ist. Denn die Kühe haben mehr Platz, bekommen weniger Kraftfutter und dürfen raus auf die Weide. Und: Sie geben weniger Milch. Im Ergebnis: Ein Biobauer hat mehr Arbeit und erzielt weniger Milch pro Kuh. Und das soll der Preis ausgleichen. "50 Cent pro Liter. Das hört sich super an, aber ich habe weniger Liter und dafür mehr Arbeit." Das alles kostet Zeit und Geld. Die Umstellungsphase ist gesetzlich auf zwei Jahre festgeschrieben. Und auch wenn ein Betrieb früher schon nach Biorichtlinien Milch produziert, muss diese für den Preis konventioneller Milch verkauft werden.

"Ab morgen mache ich bio? Das funktioniert nicht."
Benjamin Paries, Biobauer

Würden alle Bauern beispielsweise auf den Biomarkt drängen, gäbe es dort die gleichen Probleme wie aktuell in der konventionellen Produktion. Vor allem müsse überdacht werden, was der Bauernverband seit Jahren fordert: die Spezialisierung auf ein Produkt. Also zum Beispiel nur Milch oder nur Hähnchen. Aus Sicht von Benjamin Paries müssten die Bauern sich aber wieder breiter aufstellen: neben Milch noch andere Produkte wie Fleisch und Eier anbieten. Wenn eine Sparte mit Problemen zu kämpfen hat, gibt es für den Betrieb dann noch andere Standbeine, die Gewinne abwerfen können. Und das wollen laut Benjamin Paries auch die Kunden: keine riesige Milchindustrie sondern den Bauernhof, wie er früher war. Das sei zumindest die Vorstellung und ein bisschen müsste dieses Image auch wieder bedient werden.