Mimikexperte Dirk W. Eilert hat gelernt, aus den feinen Nuancen unserer Mimik auf unsere wahren Gefühle zu schließen.

Die Mimik in unserem Gesicht zeigt konkrete Emotionen, erklärt Dirk W. Eilert. Die Gesichtsmuskulatur wiederum koppelt sich ständig rück mit dem Gehirn, so dass unser Gefühl exakt mit der Mimik korrespondiert. Und genau diesen Zusammenhang macht sich der Mimikexperte Dirk W. Eilert zu Nutze und liest in den Gesichtern: Er analysiert die Mimik und schließt daraus auf die Gefühle seines Gegenübers.

"Es geht im Wesentlichen darum, die Gefühle beim anderen zu sehen."
Dirk W. Eilert, Mimikexperte

Am Beispiel von Angela Merkel und Peer Steinbrück zeigt Dirk W. Eilert, wie unterschiedlich stark Mimik ausgeprägt ist. Nicht Pokerface, aber: "Angela Merkel, das nenne ich eher Nullmimik", sagt Dirk W. Eilert. Die Bundeskanzlerin sei eher schwer zu lesen, sie kontrolliere stark ihre Mimik. Daraus schließt der Mimikexperte, dass sie eher nachdenkt, bevor sie handelt. Im Vergleich dazu sei Peer Steinbrück ein eher spontaner Mensch, der erst handele und dann nachdenke. Seine Mimik sei sehr viel expressiver.

Gefühle in Millisekunden verpackt

Das Erkennen noch so feiner Regungen im Gesicht helfe dabei, empathischer auf seine Mitmenschen eingehen zu können. Auch wenn viele Menschen glauben, sie könnten sehr gut im Gesicht des anderen dessen Stimmung erkennen, sei diese Fähigkeit in Wirklichkeit sehr viel schlechter ausgebildet, sagt Eilert.

Der Verein Mimikresonanz hat einen Read-Test entwickelt, bei dem den Probanden 49 Porträts gezeigt werden. Pro Bild haben sie 300 Millisekunden Zeit, anhand der Mimik die Gefühle des Menschen zu erkennen. Dabei hat Dirk W. Eilert festgestellt, dass der Durchschnittsbürger gerade mal bei 50 Prozent mit seiner Analyse richtig liegt. Wird die Durchlaufgeschwindigkeit der Bilder auf 100 Millisekunden erhöht, das entspricht der Geschwindigkeit von Mikroexpressionen, sinkt die Trefferquote auf 30 Prozent.

Teil der Kommunikation

Wie wichtig die Mimik für die Kommunikation ist, kann jeder im Selbstversuch mit einem Freund ausprobieren: Der Gegenüber setzt während des Gesprächs einfach eine dunkle Sonnenbrille auf.

"In dem Moment merkt man direkt, wie viel Information unser Gesicht im Alltag transportiert. Wenn dann ein kleiner Bereich verdeckt ist, merkt man auf einmal: Mensch, da kriege ich gar nicht mehr so viel mit, was beim anderen los ist."
Dirk W. Eilert, Mimikexperte
  • Mimik-Quiz: Wie guckst du? | Spiegel Online präsentiert acht Gesichter, an denen jeder seine Fähigkeit des Gesichterlesens testen kann.