Esther Schramm lebt mit der Diagnose Asperger. Sie ist beruflich erfolgreich, gibt hervorragende Interviews - und ist lieber mit Menschen abseits des Mainstreams zusammen. Da gelten nämlich keine unausgesprochenen Regeln für die Kommunikation.

Esther Schramm fühlt sich bei Menschen wohl, die nicht zum Mainstream gehören: Nerds, Hochbegabte, Sadomasochisten, Sexarbeiter. Denn unter ihnen würden keine speziellen Kommunikations- und Verhaltensregeln gelten. Genau die sind für Esther Schramm schwierig. Das ist schon so, seit sie sich erinnern kann.

In der Uni kamen anderen Schwierigkeiten hinzu: Sie verspürte teilweisen großen Druck, war erschöpft und kraftlos - und das in einer Intensität und Quantität, die sie von Kommilitonen nicht kannte.

Nicht mehr versuchen, normal zu sein

Später im Berufsleben hatte Esther Schramm stets das Gefühl, "nicht richtig verankert zu sein". Trotz guter Ausbildung und hoher Intelligenz fühlte sie sich stets fremd.

Eine spezielle Diagnose brachte dann die Erkenntnis: Asperger-Syndrom. Manche sagen, das ist eine milde Form des Autismus.

Seit der Diagnose hat sich Schramms Leben nicht sonderlich geändert, sagt sie. Aber sie hat jetzt nicht mehr das Gefühl, dass mit ihr irgendetwas subtil falsch ist. Uns sie versucht auch nicht mehr "normal" zu sein - was auch immer das denn bedeuten soll.

"Die meisten Autisten sind arbeitslos, weil sie schon im Bewerbungsverfahren rausfallen. Da geht es um Kommunikation und Soft Skills."
Esther Schramm

Schramms Beruf besteht übrigens aus Coaching und Beratung von Autisten und Angehörigen. Einen Menschen mit Autismus hat sie einem Unternehmen vermittelt, in dem er Verkehrsszenarien analysiert - eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe. Eigentlich hatte er eine Empfehlung für eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen.