Noch bis zum 26. September können Menschen mit einer Abo-Monatskarte deutschlandweit mit dem ÖPNV und Regionalverkehr fahren. Wir haben mal nachgehorcht, wie das Angebot so ankommt.

Viele Nahverkehrsverbände im Land wollen scheinbar einfach mal Danke sagen – und den Nahverkehr damit gleichzeitig wieder attraktiver machen. Deshalb dürfen Besitzerinnen und Besitzer einer Abo-Monatskarte zwei Wochen lang – noch bis zum 26. September – ohne zusätzliche Kosten bundesweit den gesamten ÖPNV und Regionalverkehr nutzen.

Deutschlandradio-Korrepondent Johannes Kulms ist für uns einen Tag lang im Regionalverkehr Schleswig-Holsteins unterwegs gewesen und hat Leute getroffen, die das Angebot gerade nutzen.

Kreuz und quer durch Norddeutschland

Johannes war am letzten Donnerstag (16.09.2021) insgesamt neun Stunden unterwegs, quer durch Norddeutschland. Weil bestimmte Strecken gerade gesperrt sind, war das gar nicht so einfach, hat er uns berichtet.

Los ging es für ihn morgens um 9 Uhr in Kiel über Neumünster nach Bad Oldesloe, einem Vorort von Hamburg. Von dort ist er dann einmal quer rüber an die Westküste gefahren – nach Büsum, wo er zur Stärkung ein Krabbenbrötchen verspeist hat. Von da aus ging es dann über Rendsburg zurück nach Kiel.

Während seiner Fahrt hat Johannes keine anderen getroffen, die das Spezialangebot genutzt haben.

"Ich gehe mit meinem Sohn zum Bahnhof, zeige ihm den Plan und sage: Such dir aus, wohin wir fahren! Und er ist vier, er liebt die Bahn!"
Volker Bach

Das zweiwöchige Angebot wird unter der Woche wahrscheinlich am ehesten von Menschen im Rentneralter genutzt, sagt Johannes.

Seine Eltern sind selbst Rentner und haben das Angebot ausprobiert: Sie sind lange Strecken gefahren, teilweise 200 Kilometer entfernt vom Wohnort. Anschließend hätten sie ihrem Sohn aber auch erzählt, dass das ganz schön anstrengend ist ohne den ICE und dass man sich anschließend erst mal erholen muss.

"Der Tenor war: Wir sind durchaus bereit, was zu zahlen."
Johannes Kulms, Deutschlandradio-Korrespondent

In Deutschland wird schon länger darüber diskutiert, wie sich die Menschen stärker zum Umstieg vom Auto auf den Nahverkehr bewegen lassen. Eine Idee, die oft genannt wird: Der ÖPNV muss kostenlos werden – und zwar nicht nur für zwei Wochen für bestimmte Leute, sondern dauerhaft.

Kostenloser ÖPNV?

Die Forderung, den ÖPNV grundsätzlich kostenlos zu machen, habe er aber erstaunlich selten gehört, berichtet Johannes Kulms. Die meisten seien durchaus bereit, etwas für die Beförderung zu bezahlen. Nico zum Beispiel, 33 Jahre alt, der fast täglich mit der Bahn nach Heide an die Schleswig-Holsteinische Westküste pendelt, wo er als Koch arbeitet.

"Die Leute, die das sauber machen und in Stand halten, die müssen ja auch bezahlt werden."
Nico, Berufspendler

Allerdings wünscht sich der Koch, dass sein Abo vielleicht etwas günstiger wird. Er zahlt 80 Euro im Monat und fände 50 oder 60 Euro fairer. Was er auch sagt: Er ist praktisch der einzige in seinem Freundeskreis, der nicht mit dem Auto fährt. Weil er keinen Führerschein hat.

Wunsch nach Zuverlässigkeit

Am Ende geht es also vielleicht gar nicht nur ums Geld bei der Frage, sich mehr Leute in Busse und Bahnen locken lassen. Wichtig sei den Menschen ein vernünftiger und vor allem zuverlässiger Nahverkehr.