Wenn es mal wieder keine Möglichkeit gibt, um das eigene Fahrrad sicher und wetterfest abzustellen, könnte eine Radbox die Lösung sein. In Berlin-Schöneberg gibt es jetzt ein Pilotprojekt. Die Erfahrungen aus anderen Städten sind jedoch gemischt.

Am Rathaus Schöneberg in Berlin stehen seit neuestem Radboxen. Das sind dunkelgraue Container, doppelstöckig aufgestellt, in denen die Fahrräder verstaut werden können – und zwar in einzelnen Boxen. Das Ganze ähnelt einer Packstation für Räder, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ilka Knigge.

Insgesamt können 64 Räder eingeschlossen werden. In 32 Boxen gibt es Strom, sodass E-Bikes geladen werden können. Aus den Boxen fahren auf der zweiten Ebene Schienen heraus und nach unten. "So funktioniert auch das Abstellen in den oberen Stellplätzen gut", sagt Ilka.

Radboxen sind eine sichere Abstellmöglichkeit

An den Containern gibt es einen integrierten Buchungsbildschirm, an dem Radfahrer*innen den Stellplatz – also eine der Boxen – öffnen und auch bezahlen können. Das Abstellen ist in den ersten sechs Monaten kostenlos.

Die Radboxen in Berlin-Schöneberg sind ein Pilotprojekt, das alle nutzen können: Mitarbeitende im Rathaus, Anwohner*innen oder auch Radfahrer*innen, die im Rathaus etwas zu erledigen haben. Aufgestellt wurden die Container von einer Firma aus Chemnitz. Die App wiederum zur Buchung der Boxen betreut ein Unternehmen, das dem Land Berlin gehört und die Mobilität vor Ort verbessern soll.

Das Boxen-Projekt in Berlin-Schöneberg ist nicht das erste in Deutschland. Solch ein Angebot gibt es bereits in Hilden, Bremerhaven, Wuppertal und Stuttgart, wie oben auf dem Bild zu sehen ist.

"Die Erfahrungen mit Fahrradboxen sind unterschiedlich."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Ob die Boxen angenommen werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In Hilden in NRW gibt es zum Beispiel das Angebot bereits seit 2015. Laut Westdeutscher Zeitung waren die Boxen am Anfang sehr gefragt – es gab sogar eine Warteliste. Für die Nutzer*innen waren die Boxen kostenlos, wenn sie eine Dauerkarte beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr besaßen. Als dann Gebühren eingeführt wurden, wurden die Boxen nur noch zur Hälfte gebucht. Die Stadt Hilden senkte daraufhin die Gebühren.

Im österreichischen Salzburg wiederum sind 531 Radboxen im Stadtgebiet zu über 92 Prozent ausgelastet, heißt es seitens der Stadt. Die Miete pro Stellplatz liegt bei rund 100 Euro im Jahr.

Entscheidend ist auch, wie häufig Räder geklaut werden

"Salzburg ist Österreichs Hauptstadt der Fahrraddiebstähle", sagt Ilka. "Da werden pro Person die meisten Räder im ganzen Land geklaut." Das könnte ein Grund für die gute Auslastung des Angebots sein.

Das Problem Diebstahl macht auch der Fahrradklima-Test deutlich. Dafür macht der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) alle zwei Jahre eine Umfrage. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Radfahrer*innen Diebstahl als großes Problem sehen. Anders als in Salzburg werden in Hilden nicht überdurchschnittlich häufig Räder gestohlen. Weshalb vielleicht der Grund fehlt, einen Stellplatz zu mieten.

"Der ADFC wünscht sich an Schulen, Kitas, Sportstätten und in Innenstädten mehr Radboxen."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

"Sicherlich spielt auch das Buchungssystem eine Rolle", vermutet Ilka. Das digitale Pilotprojekt in Berlin-Schöneberg macht das Mieten einfach und flexibel, solange die Nutzer*innen eben mit Smartphone unterwegs sind.

Der ADFC wünscht sich auf jeden Fall mehr Radboxen zum Beispiel an Schulen, Kitas und Sportstätten. Ebenso in den Innenstädten, in der Nähe von Einkaufszonen. Vor allem an Orten, wo Räder mal länger abgestellt werden. "Denn laut Umfrage wollen Leute ihr Rad wetterfest abstellen, wenn es länger steht", sagt unsere Reporterin. "Wenn das Rad nur kurz steht, ist ihnen das nicht so wichtig." Deshalb braucht es wohl keine Boxen vorm Bäcker oder Supermarkt.

Eine wichtige Frage ist aber die Finanzierung. Land und Kommunen bekommen aber auch Finanzhilfe vom Bund aus dem Sonderprogramm "Stadt und Land".

  • Moderator:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin