Dreieinhalb Wochen lang war die unbemannte Orion-Raumkapsel unterwegs: Sie ist zum Mond geflogen, hat ihn umkreist und ist jetzt zur Erde zurückgekehrt. Wie die Rückkehr der Kapsel ablief und was als nächstes passiert, hat uns der Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Michael Büker erklärt.

Nach ihrem mehrtägigen Rückflug aus der Mondumlaufbahn ist die Orion-Kapsel am Sonntagabend (11.12.2022) wie geplant mit mehreren großen Fallschirmen im Pazifik gelandet, berichtet Astrophysiker Michael Büker. Eigentlich sollte die Kapsel wenige Kilometer vor der Großstadt San Diego runterkommen – wegen einer Kaltwetterfront wurde das Ganze dann aber in den Süden verschoben, vor die Küste Mexikos. Nach der Wasserlandung trieb die Kapsel dann zunächst für Tests zwei Stunden frei im Wasser. Anschließend wurde sie von einem militärischem Transportschiff der US-Marine eingesammelt (unser Bild oben).

"Ein starker Hitzeschild sorgte dafür, dass die extreme Luftreibung – eine Geschwindigkeit von etwa 12 Kilometern pro Sekunde – die Orion nicht verglühen ließ."
Michael Büker, Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist

Vom Auftreffen der Raumkapsel auf die Erdatmosphäre bis zur Wasserung dauerte es etwa 20 Minuten. Ein äußerst leistungsstarker Hitzeschild sorgte dafür, dass die extreme Luftreibung – eine Geschwindigkeit von etwa 12 Kilometern pro Sekunde – die Orion nicht verglühen ließ.

"Skip Entry": Komplizierter als zu Apollo-Zeiten

Die Freude bei der Nasa war groß, denn der Landevorgang war komplizierter als noch zu Zeiten der Apollo-Missionen in den 60er- und 70er-Jahren, erklärt Michael Büker. Aus gutem Grund:

  • Damals war der Rückflug ein direkter Anflug in die Erdatmosphäre. Die Astronauten mussten für einige Minuten die extreme Beschleunigung von fast 7 g aushalten – das bedeutet, die fast siebenfache Schwerkraft lastete auf ihren Körpern, die durch den langen Aufenthalt in annähernder Schwerelosigkeit ohnehin schon geschwächt waren.
  • Außerdem war es vor über 50 Jahren sehr viel schwieriger, den Ort der Landung vorherzusagen. Die US-Marine musste damals große Teile des Pazifiks mit ihren Bergungsschiffen abdecken.
"Die Orion-Kapsel ist erst in die Erdatmosphäre eingetaucht, hat sich dann um die eigene Achse gedreht und ist für wenige Minuten wieder hinausgeflogen. Das nennt man einen Skip Entry."
Michael Büker, Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist

Diesmal war das Manöver ganz anders: Die Orion-Kapsel ist zunächst etwa 40 Kilometer weit in die Erdatmosphäre eingetaucht, hat sich dann um die eigene Achse gedreht und ist für wenige Minuten wieder hinausgeflogen.

Der Sinn eines solchen "Skip Entry":

  1. Während die Kapsel die Atmosphäre wieder verlässt, kann der Hitzeschild zwischenzeitlich abkühlen.
  2. Außerdem lässt sich der Ort der Landung präziser bestimmen.
  3. Vor allem aber ist die Belastung für die (im Fall von "Artemis I" imaginäre) Crew nicht so groß: Sie betrug bei dieser Landung maximal 4 g.

Bei einer Pressekonferenz, die ihr euch hier anschauen könnt, hat die Nasa übrigens alle Details zu diesem Manöver erklärt.

Nach Artemis I: Artemis II

Einer der Gründe für die Mission "Artemis I": Die Nasa wollte wissen, dass der Plan auch funktioniert, bevor sie Menschen in die Kapsel setzt. Beim nächsten Flug, der Mission "Artemis II", sollen dann erstmals seit über 50 Jahren wieder Astronautinnen und Astronauten den Mond umkreisen.

Ob die Mission allerdings wie geplant schon in eineinhalb Jahren starten kann, wird sich zeigen, sagt Michael Büker. Verzögerungen kommen in der Raumfahrt häufig vor – besonders bei neuen Raketen und Raumschiffen. Die Aussichten seien aber, Stand jetzt, durchaus gut.

"Es gab keine Probleme, die das Leben einer Crew gefährdet hätten. Trotzdem ist ein Flug zum Mond kein Spaziergang."
Michael Büker, Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist

Das Orion-Raumschiff habe während des ganzen Fluges hervorragend funktioniert, in vielerlei Hinsicht sogar besser als von der Nasa erwartet. Kleinere Probleme seien zwar aufgetaucht, etwa mit den Funksystemen, das sei aber erwartet worden und würde nun untersucht und behandelt. Es gab keine Probleme, die das Leben einer Crew gefährdet hätten, sagt Michael Büker. Trotzdem sei ein Flug zum Mond natürlich alles andere als ein Spaziergang.

Artemis divers

Die Nasa betont immer wieder: Mit dem Artemis-Programm soll auch die erste Frau auf dem Mond landen, außerdem People of Color. Noch zu Apollo-Zeiten waren nur Männer als Astronauten zugelassen, heute ist das Astronaut*innen-Team der Nasa weitaus vielfältiger – übrigens auch viel diverser als etwa die europäische, russische oder chinesische Raumfahrt, sagt Michael Büker.

Mit dem Artemis-Programm sollen auch Astronaut*innen aus Kanada, Europa und Japan zum Mond fliegen, allerdings ist noch niemand konkret ausgewählt. Anfang nächsten Jahres – das heißt, schon in wenigen Wochen – will die Nasa zunächst Mal die Crew für "Artemis II" bekanntgeben.

  • Kurz und Heute
  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Michael Büker, Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist