Drei junge Wissenschaftlerinnen tauschen ihren Unialltag für sechs Wochen mit der Wildnis in der Mongolei. Ihre Mission: Mit einer Drohne Daten über die Hirsche dort zu erheben. Nicht immer läuft alles nach Plan. 

Es ist ein ziemliches Abenteuer, die wissenschaftliche Reise von Christina Stinn, Susanne Kandert und Meike Becker in den Norden der Mongolei: Im April 2018 brechen die drei Wissenschaftlerinnen in die Wildnis auf, um dort Hirsche zu zählen. Alle drei studieren an der Universität Göttingen, Susanne schreibt ihre Abschlussarbeit im Studienfach "International Nature Conservation" zu diesem Thema.

Drei Frauen vor einer Hütte
© Meike Becker
Christina Stinn, Susanne Kandert und Meike Becker (von links nach rechts).

Die Rotwild-Population in der Mongolei ist seit den 90er Jahren dramatisch zurückgegangen, bis zu den frühen Zweitausendern ist sie um über neunzig Prozent geschrumpft. Seit 2004 ist die Hirschart in den Waldgebieten zwar streng geschützt, doch ob es wieder mehr Rothirsche gibt, ist unklar - denn seit Jahren wurde keine Erhebung mehr gemacht.

"Die größte Bedrohung für den Rothirsch in der Mongolei ist der illegale Wildtierhandel. Die Geweihe werden wohl auf dem asiatischen Markt als Allheilmittel verkauft."
Christina Stinn über die Rotwild-Population im Norden der Mongolei

Christina, Susanne und Meike wollen diese Datenlücke schließen. Über ihr Projekt gibt es auch ein Video - "Forschen mit einer Drohne: Ein Wildtierprojekt im Norden der Mongolei".

Hütte im Nirgendwo
© Meike Becker
Eine Hütte als Stützpunkt: Zuhause für sechs Wochen

Ihr Zuhause ist eine zwölf Quadratmeter große Blockhütte, ein winziger Holzofen dient als Kochstelle und Heizquelle. Eine Autobatterie und eine kleine Solaranlage sorgen für Strom.

Großeinkauf für Anfänger

Vor dem Aufbruch in die Wildnis kaufen die drei Frauen in der Hauptstadt Ulan-Bator noch viele Vorräte ein, denn rund um ihren Stützpunkt im Terelj Nationalpark gibt es keine Shops.

Leider gibt es beim Einkauf eine kleine Panne, wie Christina erzählt: Statt fünf Kilogramm Reis packen sie fünf Kilogramm Zucker ein. Zum Glück kaufen sie aber auch Mehl, so dass sie in den sechs Wochen einfach ziemlich oft Kekse backen.

Drei Berittene in der Mongolei
© Meike Becker
Der mongolische Guide Irhimbayr (links) bringt drei Mal pro Woche Pferde, um zu den weiter entfernt gelegenen Untersuchungsgebieten zu reiten.

Zu Pferd und zu Fuß

Auf der Suche nach den Rothirschen müssen sie oft eiskalte Flüsse überqueren. In die weiter entfernten Untersuchungsgebieten reiten die drei mit Pferden. Überhaupt sind sie viel unterwegs: Insgesamt 170 Kilometer zu Fuß und 220 Kilometer mit Pferden legen sie auf der Suche nach den Rothirschen zurück. Oft überwinden sie mehr als 1000 Höhenmeter. "Es gab sehr viele körperliche Herausforderungen", sagt Meike.

Eine Herausforderung ist auch der Alltag in der kleinen Hütte: Schlafen auf dem Boden, Waschen im Freien am eiskalten Fluss, Holzhacken für Feuer.

"Die größte Herausforderung war, die Drohne am Leben zu halten."
Christina Stinn hat Rothirsche in der mongolischen Wildnis erforscht

Ihren Quadcopter bringen die drei Wissenschaftlerinnen leider nicht von ihrer Reise mit zurück. In der letzten Woche strandet er irgendwo im mongolischen Gebirge. Vermutlich war es zu windig, der Akku machte schlapp, und die Drohne stürzte ab.

Daten sichten und auswerten

Die scheuen Sibirischen Rothirsche (Cervus canadensis sibiricus) allerdings laufen den drei Frauen leider nie vor die Linse . Dafür gibt es Fotos von sibirischen Rehen (Capreolus pygargus - oben im Bild).

Außerdem sichert Christina über 2000 Bilder von der Drohne, die sie jetzt für ihre Abschlussarbeit auswertet: "Ich versuche jetzt zu erkennen, ob Rothirsche oder überhaupt irgendeine Art Wild darauf zu finden ist." Auf das Ergebnis ihrer Untersuchung müssen wir also noch warten.

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