Wer aufgebrochen ist, um den Mount Everest zu besteigen, gibt danach zu Hause ungern zu, es nicht bis zum Gipfel geschafft zu haben. Manche Bergsteigerinnen und Bergsteiger greifen daher zu einer eher unmoralischen Methode und faken ihr Gipfelfoto.

"Hervorragendes Wetter!" – "Atemberaubender Panoramablick!" – "Einfach der Wahnsinn da oben am höchsten Punkt der Erde!" Das sind Aussagen, die man aus Interviews oder Erzählungen von den Menschen kennt, die es geschafft haben, den Mount Everest bis auf seine derzeit 8849 Meter zu besteigen.

Tatsächlich schaffen es aber nur die wenigsten bis ganz nach oben. Viele müssen aus gesundheitlichen Gründen vorher abbrechen. Vor allem für Privatmenschen, die für so eine sechswöchige Expedition zwischen 50.000 und 100.000 Dollar ausgeben, ist das Erreichen des Gipfels und der Mount Everest an sich wie eine Art Trophäe, erzählt Luis Stitzinger, Profibergsteiger und Nepal-Expeditionsleiter. Der Druck und die Erwartungen sind also hoch.

"Privatbergsteiger, die sich dieses Ziel vornehmen, haben einen gewissen Druck, einen Erfolg da vorweisen zu wollen."
Luis Stitzinger, Profibergsteiger und Nepal-Expeditionsleiter

So ging es 2016 auch einer Bergsteigerin und einem Bergsteiger, denen es wohl so unangenehm war, es nicht bis auf den Gipfel geschafft zu haben, dass sie kurzerhand in ein bereits bestehendes Gipfelfoto ihre Gesichter hineinretuschiert hatten. Jetzt ist der Schummel aufgeflogen und ist damit der neunte Everest-Fake, der bisher bekannt ist.

Mount Everest
© dpa
Der höchste Berg der Erde

Gegen die Bergsteigerehre

Früher habe das Wort eines Bergsteigers noch gezählt, berichtet Luis Stitzinger. Wer gesagt hat, er oder sie war ganz oben, der oder die war ganz oben. Das sei heute nicht mehr so. Deshalb verlangt das nepalesische Tourismusministerium in Kathmandu inzwischen immer Beweise, bevor die offizielle Urkunde verliehen wird: Aussagen von Zeugen, Daten aus einem GPS-Tracker oder eben ein Ganzkörperfoto auf dem Gipfel.

Auf diesem Bild muss das Gesicht eindeutig erkennbar sein und Experten identifizieren dann mit größtem Ehrgeiz, wo genau das Bild aufgenommen wurde. Anhand der Berge, die am Horizont zu sehen sind, kann ermittelt werden, auf welcher Höhe fotografiert wurde. Auch die verschiedenen Reliquien, wie eine Statue eines früheren nepalesischen Königs, können auf den Fotografien identifiziert werden, berichtet Luis Stitzinger.

"Anhand der Berge, die man dann am Horizont sehen kann, kann man ermitteln, auf welcher Höhe das fotografiert wurde."
Luis Stitzinger, Profibergsteiger und Nepal-Expeditionsleiter

Ein Schwindel mit Konsequenzen

Kommt raus, dass das Bild ein Fake ist, dann gibt es sechs, acht oder sogar zehn Jahre Einreiseverbot in Nepal. Wenn der Fake aber durchgeht, dann profitieren davon im Endeffekt nicht nur die schummelnden Bergsteigerinnen und Bergsteiger. Auch die Führer, die sogenannten Sherpas, die die Menschen zum Gipfel leiten, bekommen mehr Aufträge und auch der Staat kann mehr Aufstiegsgenehmigungen verteilen. Mit Bergsteigerehre habe das dann aber nicht mehr viel zu tun, sagt der Profi Luis Stitzinger.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Hinweis: Das Titelbild wurde von der Deutschlandfunk-Nova-Redaktion bearbeitet. Zu sehen ist das Gesicht unseres Reporter Martin Krinner. Das Originalbild zeigt den Sherpa Pasang Geljen.