Mücken haben ihre Flugmanöver perfektioniert. Wenn wir sie von einem Stich abhalten wollen, stehen die Chancen hoch, dass die Mücke uns austrickst und entkommt - und uns dann später vielleicht doch noch sticht. Damit sie ihre Manöver durchziehen kann, müssen allerdings die Lichtverhältnisse stimmen.

Es beginnt mit einem Surren und endet oft mit einem juckenden Stich: Mücken wissen, wie sie an ihre Nahrung kommen. Sie mithilfe von Fliegenklatschen oder wildem Gestikulieren abzuschütteln, bringt in den meisten Fällen nichts. Denn: Stechmücken haben ihre Strategien perfektioniert, um Attacken auszuweichen. Zu dem Ergebnis kommen Forschende der niederländischen Universität Wageningen in einem Experiment.

Tagaktive und nachtaktive Mücken

Wie gut den blutsaugenden Insekten die Ausweichmanöver gelingen, ist laut den Wissenschaftlern vor allem von den Lichtverhältnissen abhängig. Für ihren Test haben sie die Flugstrategien der tagaktiven Gelbfiebermücke Aedes aegypti und der nachtaktiven Malariamücke Anopheles coluzzii analysiert.

In ihrem Versuch hat eine mechanische Fliegenklatsche den Abwehrschlag einer menschlichen Hand simuliert. Die Reaktionen der Moskitos haben die Forschenden in einer Flugarena, also einer Box aus Plexiglas, mittels Hochgeschwindigkeitskameras aufgezeichnet.

Um herauszufinden, inwiefern das Licht die Manöver der Moskitos beeinflusst, hat das Forscherteam die Tests unter vier unterschiedlichen Lichtverhältnissen durchgeführt: von bewölktem Tageslicht bis völliger Dunkelheit.

Zielgerichtet, schnell, wendig

Heraus kam: Bei über 10.000 Angriffen hat die mechanische Fliegenklatsche die Mücken in nur etwa acht Prozent der Fälle getroffen. Bei 92 Prozent der Attacken konnten die Insekten dem Abwehrschlag ausweichen.

Danach setzt die tagesaktive Mücke auf gezielte Ausweichmanöver. Bei Tageslicht hat sie den Vorteil, dass sie die kommende Gefahr wie eine Hand oder ein Tierschweif sehen kann. Je intensiver das Tageslicht, desto besser ist ihre Manövrierfähigkeit und Wendigkeit.

Die nachtaktive Mücke hingegen setzt in der Dunkelheit allgemein auf Vorsicht. Ihr Ausweichmanöver ist weniger gezielt als das ihrer tagaktiven Artgenossin, dafür aber schneller und kurvenreicher.

Das bedeutet: Ihr Flugverhalten wird für Angreifer unberechenbarer und unregelmäßiger. Weil sie in der Dunkelheit eine akute Bedrohung nicht rechtzeitig sehen kann, behält sie dieses Flugverhalten bei der Nahrungssuche offenbar generell bei, so die Forschenden.

"Die nachtaktiven Mücken konnten am besten in der Dunkelheit ausweichen und die tagaktiven bei Helligkeit."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

In ihrer natürlichen Umgebung, also außerhalb der Laborverhältnisse, dürften die Erfolgschancen der Mücken allerdings noch mal etwas von den Prozentzahlen aus dem Experiment abweichen, fügen die Forscher hinzu.

"Wir verfolgen die Mücke und schlagen erst auf die eine Stelle und dann vielleicht noch mal auf die Stelle kurz daneben. Damit sind wir vermutlich erfolgreicher als die Klatsche in dem Versuch, die immer nur mit derselben Bewegung an dieselbe Stelle geschlagen hat", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ann-Kathrin Horn.

Tagsüber nachtaktive Mücken besser erwischen

In Deutschland kommen fast nur nachtaktive Mücken vor. Das heißt: Tagsüber dürften unsere Chancen steigen, die stechenden Insekten abzuwehren, weil die nachtaktiven Moskitos im hellen Tageslicht langsamer reagieren. Besonders in Ländern, in denen Mücken gefährliche Krankheiten wie Malaria übertragen, ist es laut der Forschenden hilfreich, ihre Flugstrategien zu kennen.