Beatles, Rolling Stones, Queen, Temptations, Jackson 5… reine Männerbands sind jetzt eigentlich nichts Ungewöhnliches. In den 90er-Jahren wurde das Modell der Boybands allerdings auf ein anderes Level gehoben - und zum erfolgreichen Kult.

Die jungen Herren sahen gut aus, sangen meist von Liebe und Herzschmerz und so ziemlich jeder Fan konnte sich mit mindestens einem aus der Band identifizieren und ihn dann vom Bett im Zimmer an den Postern an der Wand anhimmeln.

Zum Erfolg gecastet

Damit genau dieses Anhimmeln bei möglichst vielen – vor allem weiblichen – Fans passiert, wurden sehr viele junge Männer extra für solche Bands gecastet und zusammengestellt, erzählt Conni Wonigeit aus der Deutschlandfunk-Nova-Musikredaktion.

"Viele junge Männer wurden extra für diese Boybands gecastet und zusammengestellt."
Conni Wonigeit, Deutschlandfunk-Nova-Musikredaktion

Die erste dieser Boybands, bei der das gut funktionierte und die kommerziell sehr erfolgreich war, waren die New Kids on the block, die Ende der 80er-Jahre vor allem in den USA sehr erfolgreich waren. "Step by step" war zum Beispiel einer ihrer großen Hits.

Phänomen Take That

Das Boyband-Konzept kam also ursprünglich aus den USA, so richtig ein Massenphänomen wurde es dann aber im Europa der 90er-Jahre. Denn natürlich wollte man auf den Erfolgszug aufspringen. Kurz nach den New Kids haben geschäftstüchtige Manager dann eigene Boybands zusammengestellt – allen voran Take That aus Manchester in England.

Take That war von Anfang an auf Erfolg programmiert:

  • Gary Barlow, der musikalische Kopf der Band, der die Songs schrieb und sang, aber (Fan-Umfragen zufolge) optisch nicht als "der Schönste" galt
  • Dafür gab es Mark Owen, den "sweeten Boy", dessen Konterfei auf den Postern der meisten Mädchenzimmer zu sehen war
  • Außerdem Robbie Williams, ebenfalls mit gutem Look und so ein bisschen der Clown der Band
  • Und dazu dann noch Howard Donald und Jason Orange als sportliche Tänzer im Background

Fertig war die perfekte Boyband, die jahrelang Hits in den Charts hatte, die die Kassen der Musikindustrie klingeln ließ – und die Mädels auf den Konzerten reihenweise in Ohnmacht fallen.

"Ich find das total schade, dass ihr euch getrennt habt, wieso habt ihr das gemacht? Bitte überlegt euch das nochmal – bitte!"
In Tränen aufgelöster Take-That-Fan am Sorgentelefon

Und dann das: Nach nur einigen Jahren auf Tour und drei Alben war schon 1996 (zehn Jahre lang) Schluss mit Take That. Als erstes verließ Robbie die Band, ein halbes Jahr später dann die Trennung. Weltweit Entsetzen und Trauer bei den Fans, Sorgentelefone wurden eingerichtet.

Boybands schießen wie Pilze aus dem Boden

Die Ära Take That war dann zwar erstmal vorbei – aber der Musikmarkt hatte natürlich für reichlich Ersatz gesorgt: Allein in England gab es zum Beispiel East 17, Worlds Apart, Blue, Boyzone, Westlife, The Wanted und etwas später dann noch OneDirection. In den USA: N’Sync, O-Zone, Natural und natürlich die Backstreet Boys.

Aus Holland kamen Caught in the Act und auch Deutschland hatte mit Touché, The Boyz und Bed & Breakfast ein paar eigene Kombos, die alle Mitte der 90er ein Stück vom Boyband-Kuchen abhaben wollten.

Take That (Reunited) und Backstreet Boys

Bis heute haben sich eigentlich nur zwei dieser ganzen Bands durchgesetzt:

  • Zum einen Take That, die nach ihrer Reunion 2006 mittlerweile mehr Alben veröffentlicht und Tourneen gespielt haben als vor der Trennung und bis heute noch in kleinerer Besetzung zusammen Musik machen.
  • Und zum zweiten die Backstreet Boys, die sich in all den Jahren nie getrennt haben und sich mittlerweile eher als Band (ohne "Boy") verstehen. Zu den Konzerten von Sänger Howie D & Co. kommen aber dann doch die Fans und vor allem die Frauen, die schon in den 90er-Jahren als Teenager ekstatisch vor der Bühne rumgebrüllt haben – und die sich dann für die Dauer eines Konzerts noch einmal wie 15 fühlen können.

Unser Bannerbild oben zeigt – aus längst vergangenen Boyband-Tagen – links Take That und rechts die Backstreet Boys.

  • Moderation:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartnerin:  Conni Wonigeit, Deutschlandfunk-Nova-Musikredaktion